Stellungnahme der BN-Kreisgruppe
BN-Kreisgruppe Nürnberg
April 2007
Argumente des BN gegen die geplante Nordanbindung
 
Die Faktenlage
Durch die Nordanbindung würde eines der wichtigsten Naherholungsgebiete im Nürnberger Norden unwiederbringlich zerschnitten und damit entwertet. Spaziergänger und Radfahrer könnten die neue Straße nur an wenigen Stellen überqueren, durch Lärm und Abgase würde die Erholungsqualität des Waldstückes drastisch eingeschränkt.
Die geplante Autobahnanbindung bedeutet Vernichtung von Bannwald und weitere Flächenversiegelung. Bayern liegt bei der Versiegelung von Flächen im Bundesvergleich schon jetzt vorne und hat es sich eigentlich zur Aufgabe gemacht hat, weiterer Flächenversiegelung entgegenzuwirken.
Angesichts der aktuellen Debatten um den Klimaschutz – ein Hauptanliegen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft! – ist es nicht nachvollziehbar, ein Projekt voranzutreiben, das sowohl mehr Straßenverkehr anlockt als auch den Klimakiller Flugverkehr begünstigt.
Die Fahrtzeit von der Autobahn zum Flughafen soll sich durch die neue Verbindung von 11,5 Minuten im besten Fall auf 5 Minuten verringern. Dies ist zwar eine Halbierung der Fahrtzeit, jedoch ist es sehr fraglich, ob 11 Minuten eine unzumutbar lange Fahrtzeit sind.
Kartenausschnitt zur Nordanbindung
Kartenausschnitt zur Nordanbindung – zur Vergrößerung bitte anklicken
(entnommen aus dem Übersichtsplan Raumordnung)
Für den Bau der gesamten Nordanbindung sind über 50 Millionen Euro veranschlagt – Geld, das besser in Bürgerinteressen und Klimaschutz für die Zukunft investiert wäre.
Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt
Laut Umweltverträglichkeitsstudie führt die Nordanbindung zu erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft (Vogelschutzgebiet "Nürnberger Reichswald", FFH-Gebiet "Irrhain"). Biotope bzw. geschützte Flächen sowie erhebliche Waldflächen des als Bannwald geschützten Reichswaldes gehen verloren, das Landschaftsschutzgebiet Kraftshofer Forst wird teilweise zerschnitten. Dadurch kommt es zu einer Isolierung von Pflanzen- und Tierbeständen, die in diesen zu kleinen Lebensräumen unter Umständen nicht mehr überlebensfähig sind.
Die Trasse der geplanten Nordanbindung ist Lebensraum des seltenen, nach EU-Recht geschützten Eremiten oder Juchtenkäfers (Osmoderma eremita). Dieser wurde auf mehreren Bäumen im Planungsgebiet nachgewiesen. Nur sehr alte Eichen können seinen Larven als Lebensraum dienen, da die Jungtiere sich von dem bereits morschen, verpilzten Holz in Eichenstämmen ernähren. Bis jedoch eine langlebige Eiche solche Bedingungen bietet, vergehen oft Jahrhunderte. Der Käfer gilt deshalb als "Leittier" intakter Eichen-Urwälder. Der Eremit steht jedoch nur stellvertretend für zahlreiche, zum Teil seltene Arten wie Spechte, Fledermäuse oder Amphibien, deren Lebensraum durch die geplante Autobahnanbindung bedroht ist.
Siehe hierzu den Artikel im Mauersegler 4/2006: Urwaldkäfer auf der geplanten Tunneltrasse
Auch Bäume, die nicht unmittelbar auf der geplanten Trasse stehen, sind gefährdet. Für den Bau des Tunnels unter dem Flugfeld muss das Grundwasser weiträumig abgesenkt werden. Schon beim Bau der U-Bahn zum Flughafen machte sich diese Problematik bemerkbar. So leiden die Bäume in der Ziegellach bereits jetzt unter Trockenheit, im Zusammenspiel mit immer trockeneren Sommern wird sich dieses Problem noch verstärken.
Auswirkungen auf die Anwohner
Offizielle Lärmschutzgrenzwerte werden in den Planungen zwar eingehalten und dem westlichsten Anwohner Buchenbühls wurden die Verlegung der Trasse auf 100 Meter Entfernung von seiner Grundstücksgrenze sowie Lärmschutzvorrichtungen zugesagt. Dieser Minimalabstand von der Wohnbebauung mag zwar rechtlich gesehen angemessen sein, subjektiv führt dies aber auf jeden Fall zu einer Verschlechterung der Wohnqualität. Erwiesenermaßen können sich durch konstante Lärmpegel Gesundheitsprobleme ergeben, insbesondere da die bereits bestehende Belastung durch Autobahn und Flugverkehr schon jetzt sehr hoch ist.
Das Verkehrsaufkommen auf der Flughafenstraße liegt seit 1991 laut offizieller Zählung der Stadt Nürnberg gleichbleibend bei ca. 12.000 Fahrzeugen in 16 Stunden. Dies ist ein extrem niedriger Wert für eine Hauptverkehrsstraße, der keinesfalls eine neue Straße rechtfertigt.
Die Entlastung von Ortsteilen wird im Planungsverfahren als nachrangiges Ziel angesehen, jedoch wird als positives Argument auf die Entlastung der Ziegelsteiner Bürger und besonders des Bierwegs von Verkehr und Luftschadstoffen verwiesen; dies ist ein Widerspruch in den offiziellen Unterlagen. Die Entlastung im Bierweg wird jedoch nur wirksam, wenn dort gleichzeitig Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ergriffen werden, die völlig unabhängig von einer Nordanbindung sind und deren Finanzierung damit auch völlig offen wäre. Nur 20% des Verkehrsaufkommens im Bierweg sind überhaupt durch den Flughafen bedingt, die Ziegelsteinstraße wird überhaupt nicht entlastet, da der dortige Verkehr hauptsächlich auf das Gewerbegebiet Andernacher Straße zurückzuführen ist, d. h. all diese Anwohner profitieren nicht von einer Nordanbindung. Die Buchenbühler Bürger werden in jedem Fall – so die Aussage von Oberbürgermeister, Wirtschaftsreferent und Verkehrsplaner der Stadt Nürnberg sowie Staatlichem Bauamt – mehr belastet.
Laut Flächennutzungsplan ist eine verbesserte verkehrliche Erschließung des Flughafens Voraussetzung für ein Gewerbegebiet östlich der Flughafenstraße. Dieses würde unweigerlich vermehrt Verkehr anziehen, so dass die (nicht vorhandene) Entlastung durch die Nordanbindung dadurch mehr als wettgemacht würde.
Laut einer früheren Bewertung ist der Flughafen Nürnberg bereits jetzt exzellent erreichbar. Die U-Bahn zum Flughafen ist jedoch häufig nicht ausgelastet. Somit wäre es aus Sicht des Bund Naturschutz wesentlich sinnvoller, die U-Bahn zu bewerben statt einseitig auf mehr Straßenbau zu setzen. Hier bestünde die Möglichkeit eines innovativen Konzeptes mit Vorbildfunktion für andere Flughäfen.
Perspektive
Der Flughafen Nürnberg hat sich in den letzten Jahren zu einer Drehscheibe für Air Berlin entwickelt. Hier laufen zahlreiche Fluglinien zusammen, so dass ein Großteil der Passagiere den Flughafen Nürnberg nie verlässt, sondern nur umsteigt. Zusätzlich werden diese umsteigenden Fluggäste zweimal gezählt, was die steigenden Fluggastzahlen erklärt. Diese brauchen keine Straße, da sie nicht an- und abreisen, steigende Fluggastzahlen dienen aber als Argument für den geplanten Neubau.
Viola Gburek
Arbeitskreis Naturschutz in der Stadt
 
Lesen Sie hierzu auch die Stellungnahmen der Kreisgruppe Nürnberg vom 18.12.2007 und vom 03.06.2005
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Links zum Thema
 
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Wikipedia: Der Flughafen Nürnberg
Bundesverkehrsministerium für Tunnellösung – Beckstein begrüßt Entscheidung des Bundes bei Nürnberger Flughafenanbindung
Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums vom 29.03.2006
Wirtschaftsreferent Dr. Fleck begrüßt landesplanerische Beurteilung für Flughafenanbindung und drängt auf zügige Umsetzung
Pressemitteilung der Stadt Nürnberg vom 30.11.2005
Dr. Roland Fleck: "Skandalöse Benachteiligung Frankens durch Berlin – Autobahnanbindung des Airport Nürnberg unverzichtbar"
Pressemitteilung der Stadt Nürnberg vom 06.06.2003
Dr. Fleck: Aktionsbündnis und Grüne auf dem "Holzweg"
Pressemitteilung der Stadt Nürnberg vom 30.05.2003
WiM, Ausgabe 08/2003: Verliert unser Flughafen den Anschluss?
Wirtschafts-Fragen an Karl-Heinz Krüger, Geschäftsführer der Flughafen-Nürnberg GmbH
Presseinformation 11/03 zur Flughafenanbindung
Pressemitteilung des Airport Nürnberg vom 06.06.2003
Landseitige Erschließung des Flughafens Anbindung über eine Nordspange
Mitteilung der CSU-Stadtratsfraktion Nürnberg vom 25.02.2003
PDF-Dokumente
Der Flughafen Nürnberg und seine Entwicklung nach der Osterweiterung der Europäischen Union  (PDF-Dokument 2,19 MB)
Masterarbeit von Rita Csörgics vom 01.06.2006 – bei Interesse bitte anfragen!
Planungsausschuss des Planungsverbandes Industrieregion Mittelfranken  (PDF-Dokument 1,2 MB)
Niederschrift über die 239. Sitzung vom 30.05.2005
Elfte Änderung des Regionalplans Industrieregion Mittelfranken  (PDF-Dokument 224 kB)
Auswertung des Beteiligungsverfahrens – Entwurf vom 11.11.2003
Wirtschaftsbericht der Stadt Nürnberg 2005  (PDF-Dokument 2,43 MB)
S. 88: Entscheidender Schritt zur Direkten Autobahnanbindung ("Nordanbindung")
S. 95: Variante Tunnellösung wird planungsrechtlich weiterverfolgt
Beilage Sachverhaltsdarstellung  (PDF-Dokument 34 kB)
Stellungnahme der Stadt Erlangen zur Anbindung des Flughafens Nürnberg  (PDF-Dokument 26,1 kB)