Artikel im Mauersegler Nr. 4/2006 
  Titelthema
 

Urwaldkäfer auf der geplanten Tunneltrasse

Uralte Eichen in Nürnbergs Norden sind die Heimat des seltenen Eremiten oder Juchtenkäfers. Der Flughafentunnel droht den dortigen Bäumen das Wasser abzugraben. Daher fordert der BN die Ausweisung eines europäischen Schutzgebiets.
Er gilt als einer der seltensten Käfer Europas – der mächtige Eremit (siehe Titelbild). Nur sehr alte Eichen können seinen Larven als Lebensraum dienen. Die Jungtiere ernähren sich nämlich von dem bereits morschen, verpilzten Holz in Eichenstämmen. Bis jedoch eine langlebige Eiche solche Bedingungen bietet, vergehen oft Jahrhunderte. Der Käfer gilt deshalb als "Leittier" intakter Eichen-Urwälder. Auch der Nürnberger Reichswald würde etwa zu 4/5 aus diesem wertvollen Waldtyp bestehen, hätte der Mensch ihn nicht meistens in naturferne Kiefernforste umgewandelt. Kommt der Eremiten vor, ist der Wald also so gesund, dass auch unzählige andere Tiere aus unserer heimischen Urwaldfauna noch eine Chance haben, wie Hirschkäfer, Fledermäuse oder seltene Spechte. Daher werden auf Grundlage von Eremiten-Vorkommen auch europäische Naturschutzgebiete ausgewiesen (FFH-Gebiete, Flora-Fauna-Habitat).
Eichen bei Buchenbühl
Über 1,5 m dick sind die Eichen bei Buchenbühl und in der Ziegellach.  Foto: S. Wendt
Fraßspuren des Eremiten
Fraßspuren des Eremiten an einen alten Eichenast.
Bei jüngsten Untersuchungen im Nürnberger Norden konnte 2006 der Eremit an einigen riesigen Eichen entdeckt werden. Drei Bäume wachsen auch in der Nähe des geplanten Flughafentunnels (Nordanbindung).
Der Bund Naturschutz fordert daher vehement die Ausweisung eines FFH-Gebiets nördlich des Flughafens und in der Ziegellach. Schon lange setzt sich die BN-Ortsgruppe Ziegelstein/Buchenbühl für den Schutz der Baumriesen ein. So wurde 2002 ein Waldlehrpfad eingerichtet, der besonders auf diese sehr alten Eichen hinweist. Dank der neuen Eremiten-Nachweise haben die Bäume vielleicht eine Chance, dass sie der gigantische Flughafentunnel nicht vertrocknen lässt.
W. Dötsch