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Unbemerkt vom Wirbel um Flocke ist in Nürnberg tatsächlich ein wilder
Bär eingezogen. Versteckt in einer Kleingartenanlage beim Nürnberger
Stadtteil Werderau lebt seit 2007 ein Waschbär.
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"Am Bahndamm sitzt ein Waschbär im Baum", erzählte mir eines Tages
mein Nachbar. "In Nürnberg gibt es keine Waschbären", entgegnete ich
ihm mit dem Brustton des überzeugten Biologen. Doch ein kurzer Spaziergang
zur beschriebenen Stelle ließ die zoologische Kompetenz schwinden. Hoch
oben in einer Astgabel schlummerte tatsächlich ein echter Waschbär.
Selbst einige schimpfende Krähen konnten ihn in seinem friedlichen Schlaf
nicht stören. Kontrastreiche Gesichtszeichnung und buschiger Schwanz wiesen
ihn eindeutig als Waschbär aus. Zudem würde sich kaum eine Hauskatze
in so schwindelnde Höhen zum Schlafen zurückziehen.
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Damit ist ein weiteres fremdländisches Tier in der Nürnberger Natur
neu vorhanden. Der Waschbär (Procyon lotor) gehört zu den
sogenannten Kleinbären und ist ursprünglich in Nord und Mittelamerika
beheimatet. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kommt er auch in Mitteleuropa vor,
nachdem er aus Gehegen entwichen ist oder auch gezielt ausgesetzt wurde. 1934
wurden z. B. in Hessen zwei Waschbären ausgesetzt, aus denen sich eine
ansehnliche Population entwickelte. Zur Zeit wird der Bestand an Waschbären
in Deutschland auf mehrere hunderttausend Tiere geschätzt. Auch die meisten
bayerischen Waschbären dürften wahrscheinlich von Nachkommen der
hessischen Tiere abstammen. Für das Nürnberger Exemplar wäre ein
Wanderweg entlang des nahen Rhein-Main-Donau-Kanals denkbar.
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Zwar bevorzugt der Waschbär gewässerreiche Laubwälder als
Lebensraum, ein urbanes Umfeld kommt den Bedürfnissen des hochintelligenten
Säugers aber durchaus entgegen. Hier fällt er oft durch das Ausleeren
von Mülltonnen oder das Abernten von Obstbäumen negativ auf. Manche
Ökologen sehen ihn auch als Feind der heimischen Vogelwelt kritisch. Viele
Bürger pflegen dagegen den possierlichen Säuger zu füttern. Wie
man auch zum Waschbären stehen mag, eine Bejagung konnte bisher die
Ausbreitung kaum verhindern. Man darf daher gespannt sein, wie er sich im
Ballungsraum entwickelt.
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Wer weitere Beobachtungen von Waschbären gemacht hat, kann dies gerne beim
Bund Naturschutz melden, Tel. (0911) 45 76 06 oder info@bund-naturschutz-nbg.de.
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Wolfgang Dötsch, Diplom-Biologe
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