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Symbol für die geistige und die körperliche Liebe, die Fruchtbarkeit und
die Unschuld; für den Frieden, den Neubeginn und den heiligen Geist
bei Aphrodite und Venus, bei den Kirchen, den Kommunisten und der
Friedensbewegung.
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Seit mindestens 6.000 Jahren wurden Tauben in Ägypten als Haustiere
gehalten. Dabei standen ursprünglich religiöse Motive im Vordergrund.
Später wurden sie auch gegessen. Wer in die Stadt zog, nahm sich Tauben mit
ein Rest Unabhängigkeit durch Eigenversorgung. Bis zum Zweiten
Weltkrieg hatten viele Stadthäuser einen Taubenschlag unterm Dach. Sogar
die Eier wurden gegessen und die Federn genutzt. In der Türkei und in
Persien wird ihr Dung heute noch als hochwertiger Dünger gesammelt. In der
Volksmedizin galt die Taube als Heilmittel und Aphrodisiakum.
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Verflogener Zauber
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Nach dem Krieg waren viele Dächer und damit auch Taubenschläge kaputt.
Es gab weniger Tauben (warum wohl?) und andere Prioritäten. Die Beziehung
löste sich. Außerdem kamen Brathähnchen in Mode. Inzwischen hat
auch die Schweizer Armee ihre Brieftaubenzucht aufgegeben
("Selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit fest
programmierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen und
Distanzen"). Das heutige Interesse an der Taube ist im Wesentlichen auf die
Hochleistungs-Taube als "das Rennpferd des kleinen Mannes" geschrumpft.
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Nur lösten sich die Tiere in der Stadt nicht per Mausklick auf. Vom
Menschen auf zahlreiche Nachkommenschaft gezüchtet und nicht mehr "gemocht"
wurden sie immer schneller immer mehr und lästig. Entflohene
Haustauben kommen nach wie vor laufend hinzu. Die Tauben verkamen zu "Ratten der
Lüfte" und ihr kostbarer Dung zum Hygienerisiko.
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Schwerste Beschuldigungen:
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Außerdem polarisieren sie die Welt. Die reinen Genuss-Fütterer sind
noch harmlos. Den Einen sind sie psychosozialer Ersatz für menschliche
Beziehungen. Andere toben ihren Fürsorgezwang an ihnen aus. Und dann gibt
es noch welche, die ihre verschimmelten Brotreste bei ihnen abladen, bevor sie
sich mit beruhigtem Gewissen von der chemisch übersteigerten Duftspur in
die nächste Bäckerei locken lassen. Den letztgenannten Typ kenne ich
aus eigener Erfahrung.
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Die erbärmlichen Obdachlosen, die sich mit gesträubtem Gefieder und
eingezogenen Köpfen auf den blanken Fliesen der Kaufhauspassage die
Füße kaputtstehen, stören den Blick auf die leuchtenden
Schaufenster. Ihr Kot verätzt Kunstobjekte und Fassaden. Bei Regen macht er
die Straße glitschig, so dass man leicht stürzen und sich ein Bein
brechen kann. Sogar Autos sollen schon darauf ausgerutscht sein. Sie verbreiten
Geruch und Lärm, außerdem humanpathogene Krankheitserreger wie
Ornithose, Salmonellose, Cryptococcen und andere (potentielle) Erreger. In der
Umgebung ihrer Brutplätze verbreiten sie humanpathogene Parasiten und
Materialschädlinge. Durch Fraß im weitesten Sinne schaden sie
Grünanlagen, Blumenkästen und kalkhaltigen Steinchen an Mauern und
Putz. Dabei kommt es möglicherweise zu Sekundärschäden oder gar
Gefährdung der Passanten durch herabfallendes Mauerwerk.
Schadensersatzansprüche sind die Folgen. Und dann gefährden sie noch
den Verkehr, indem sie Radfahrer erschrecken, und sogar die Flugsicherheit, wenn
ihre Schwärme in Triebwerke geraten. Taubenkrieg Freund und Feind
gleichermaßen sind rational nicht greifbar. Die Tauben müssen weg.
Die Taubenbekämpfung nährt Industrie und Bruttosozialprodukt ohne
wirkliche Lösung, aber immerhin relativ giftarm. Ratten lieben Taubeneier.
Wo sie überhand nehmen, gibt es weniger (Tauben).
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Man könnte sie essen
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Anders als Mastvieh erhalten Stadttauben keine Antibiotika. Ihr Fleisch
enthält also weniger Arzneimittel-Rückstände. Schadstoffe sammeln
sich in den inneren Organen. Gegessen wird das Muskelfleisch. Die Keime werden
beim Kochen zerstört. Taubenfleisch ist zart und leicht verdaulich. Im
Vergleich mit anderen Fleischarten ist es mager und
verhältnismäßig cholesterinarm.
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Haltung und Unterbringung, auch in der Vorstadt und Stadt, sind unkompliziert.
Das Wichtigste ist ein Taubenfuß-gerechter Sitzplatz für ihre auf
Zweiglein ausgelegten Füße. Man kann sie füttern. Ansonsten
helfen sie sich selbst und fressen den Müll von der Straße. Insofern
könnte der Verzehr dieses einheimischen Geflügels sogar dabei helfen,
unseren ökologischen Klumpfußtritt etwas zu verkleinern und das
Gewissen nachhaltig zu beruhigen sogar variabel. Als Abwechslung und als
Alternative zu Fabrik-Hähnchen & Co. könnten sie die Reihe der
möglichen Lebensmittel verlängern kleiner Beitrag zur Allergie-
Vorsorge, für Genesende. Zumindest die Flugtauben, die neuerdings
vereinzelt wieder angeboten werden, sind relativ freilebende Tiere. In der Stadt
werden sie nur noch von manchen Alten geliebt, aber von allen kleinen Kindern
ein Rest Natur in der Steinwüste.
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Junge Tauben zu braten: Am besten sind Nesttauben. Sie müssen ein bis zwei
Tage vor dem Gebrauch getötet, gerupft und ausgenommen werden, dürfen
aber nicht gepflückt an die Luft gelegt werden. Nachdem sie nach Belieben
mit einer Farce gefüllt worden sind, stellt man sie in einem feuerfesten
Topf mit fest schließendem Deckel und in reichlich Butter und einigen
Körnchen Salz (sie können leicht versalzen werden) auf ein
mäßiges Feuer, wo sie fortwährend langsam braten müssen,
bis sie recht weich geworden sind. Tauben dürfen nur gelb gebraten werden
und die Sauce nicht im Mindesten dunkel sein. Besonders ist die
größte Sorgfalt beim Braten notwendig, wenn sie für Kranke
bestimmt sind. Beim Anbraten können nach Geschmack einige frische
Wacholderbeeren zerschnitten, nicht zerstoßen, in die Butter gelegt, auch
beim Braten süße Sahne hinzugefügt werden, doch ist beides
Geschmacksache, die Hauptsache ist, besonders für Kranke, eine weiche und
helle Zubereitung. (Davidis-Holle Kochbuch, 1914). Man müsste wieder
lernen, wie das geht, mit den Tauben. Sogar ein Fünkchen Magie hat
überlebt: Brautpaare und Zauberer entdecken sie gelegentlich wieder.
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Zum Weiterlesen:
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Patricia Merivale (1969): Pan The Goat-God His Myth in Modern Times.
Harvard University Press, Cambridge, Massachusets.
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Annette Rösener (1999): Die Stadttaubenproblematik: Ursachen,
Entwicklungen, Lösungen. Shaker Verlag, Aachen, 123 S.
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Ernst Wiechert (1930): Pan im Dorfe.
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Bildunterschrift: Foto: André Winkel
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Bildunterschrift: Tauben am Nürnberger Abendhimmel
Foto: Eva Scholl
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Dipl.-Biol. Eva Scholl (Redaktionsteam "Mauersegler")
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