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Wer noch nie in Ziegelstein spazieren ging, sollte es mal tun...
Historisch, aber auch in städtebaulicher Hinsicht ist dieser Stadtteil
sehens- und erhaltenswert. Der Redaktionskreis sprach mit Frau Dr. Marion Grau,
einer der drei Veteran/-innen der BN-Ortsgruppe
Ziegelstein/Buchenbühl.
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Frau Dr. Grau, was macht Ihren Stadtteil aus?
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Das Besondere an Ziegelstein/Buchenbühl ist, dass man hier noch im engen
Kontakt zur Natur lebt. Die Mehrzahl der Häuser haben schon mal
Gärten, dann haben wir hier den Reichswald in unmittelbarer Nähe. Wir
wissen auch, wie wertvoll das ist, und was wir zu verteidigen haben.
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Der Ort hat auch Geschichte. Früher war dies hier eine Siedlung, die
Familien die Selbstversorgung ermöglichte. Die Häuschen stammen alle
aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Jeder hatte Tiere, baute sein eigenes
Gemüse an, es waren Schuppen in den Gärten, oft wurden da Tauben,
Hühner gehalten.
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Heute ist die Bevölkerung ein bisschen gemischt; es sind schon noch
alteingesessene ältere Bürger hier, die verständlicherweise
manchmal sehr konservative Meinungen vertreten. Es gibt aber sehr auch viele
junge Familien, manche sind hier aufgewachsen und möchten hier bleiben,
andere sind zugezogen, weil der Stadtteil so kinderfreundlich ist. Diese
Familien bringen viel neuen Schwung mit und haben auch den Mut, für den
Umweltschutz einzutreten.
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Wenn man hier durchfährt, fällt einem auf,
wie eng die Straßen sind...
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Genau. Viele dieser Straßen sind abgehängt oder Tempo-30-Zonen. Hier
spielen die Kinder (und oft ganze Familien) auf der Straße.
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Inwiefern gibt es in so einem grünen Stadtteil
überhaupt Probleme mit dem Naturschutz?
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Na ja, ein Problem ist, dass die Leute, wie wir etwas lästerhaft sagen,
immer nur bis zu ihrem Gartenzaun denken. Wir haben viel dafür geworben,
doch das Fahrrad zu benutzen, das wäre ja in Ziegelstein sehr leicht
möglich. Wir haben beobachtet, dass gerade die Befürworter der
Nordanbindung, oder die, einigen, die am meisten nach einer
Umgehungsstraße schreien, dass die tatsächlich mit ihrem Auto zum
Brötchenholen fahren; also die Anwohner selbst nehmen das Auto häufig
für sehr kurze Wege.
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Unsere zwei Sorgenkinder, die uns zeigen, dass wir doch nicht ganz im Paradies
leben, sind Ziegelsteinstraße und Bierweg und die Marienbergstraße
Richtung Flughafen. Besser gesagt, der zunehmende Verkehr dort.
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Das mahnt uns, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, weil dadurch sehr
negative Folgen für den Lebensraum entstehen. Man muss aber sagen, dass der
Verkehr nur zu bestimmten Zeiten zu stark ist.
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Wie steht es konkret um die Pläne der Stadt, an
der Marienbergstraße oder in der Hahnenbalz ein Gewerbegebiet auszuweisen?
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Die Pläne gibt’s und auch das Gebiet östlich der Flughafenstraße
ist im Raumordnungsverfahren als Gewerbegebiet ausgewiesen. Das ist ja auch
unsere große Sorge, dass da ein Gewebegebiet entsteht, das dann
natürlich Verkehr anzieht. Wir vermuten auch, dass der geplante Bau der
Nordanbindung dieses Gewerbegebiet letztendlich bedienen soll. Von daher sind
wir sehr wachsam.
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Außerdem ist da doch das Gewerbegebiet an der
Andernacher Straße. Ist denn dieses Gebiet schon ausgelastet?
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Wir haben auch schon eine Arbeit darüber erstellt, wo überall bereits
bestehende, freie Gewerbeflächen zur Verfügung stehen. Hinten am
Nordostpark auf der anderen Seite der Bayreuther Straße sind große,
freie Gewerbeflächen. Dort ist durch die B2 auch schon die Anbindung an die
Autobahn gegeben. Das Gewerbegebiete Andernacher Straße und Hahnenbalz
sind so gut wie ohne Verkehrsplanung entstanden. Das ist gerade der Verkehr, der
jetzt auf dem Bierweg rollt. Aber es ist noch auszuhalten.
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Zum Thema Nordspange:
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Diese Planung hat wohl auch mit dem Flughafen zu tun. Die wirtschaftliche
Bedeutung des Flughafens für die Metropolregion ist nicht zu leugnen. Jetzt
ist ja nur die Frage: Ist die Nordspange für den Passagierbetrieb notwendig
oder mit welcher offiziellen Begründung wird diese Maßnahme geplant?
Natürlich werden die steigenden Fluggastzahlen erwähnt. Aber in den
letzten zehn Jahren sind die Verkehrszahlen stabil. Das ist uns vom
Verkehrsplanungsamt bestätigt worden. Also trotz steigender Fluggastzahlen
kein steigender PKW-Verkehr. Das ist mir noch mal ganz wichtig! Viele
Fluggäste sind ja nur Umsteiger. Auch in Bezug auf den Klimawandel darf der
Flugverkehr nicht unkontrolliert zunehmen, denn seine Schädlichkeit
für das Klima ist um ein Vielfaches schlimmer als die des
Straßenverkehrs!
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Wie wird die BN-Gruppe vom Betreiber des Flughafens
wahrgenommen?
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Wir werden wahrgenommen, wir wurden gemeinsam mit dem Aktionsbündnis
"Lebenswertes Ziegelstein" eingeladen und wir wurden dort bewirtet und
freundlich behandelt und man wollte uns ein Bild geben von den Plänen und
Notwendigkeiten aus der Sicht der Flughafenbetreiber.
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Frau Dr. Grau, den Leser könnte interessieren, wie
und wann die Gruppe denn entstanden ist?
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Die Gruppe wurde vor 12 Jahren gegründet von Therese Mayerle. Frau Mayerle
hat damals mit ihrem guten politischen Gespür im Hinblick auf kommende
Entwicklungen verschiedene Ortsgruppen gegründet. Sie hat zu einer Sitzung
im Kulturladen eingeladen. Seitdem sind ich und Bärbel Resch dabei, wir
sind die zwei Veteraninnen. Damals war auch Ulrike Zylla dabei. Sie war zuerst
als Parteilose und dann für die Grünen im Stadtrat und sie hat uns
immer mit wichtigen Informationen versorgt. Mit der Zeit haben wir so unsere
eigene Arbeitsweise entwickelt, mit verteilten Zuständigkeiten und ohne
Hierarchien. Die Gruppe sind im Moment drei Kernfrauen, Bärbel Resch, Viola
Gburek und ich und Franz Binder. Wir treffen uns einmal im Monat um 20.30 Uhr.
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Wie wird die Gruppe von den Ziegelsteiner Bürgern
aufgenommen?
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Unsere Initiativen stoßen auf eine breite Unterstützung in der
Bevölkerung. Vor allem deshalb, weil wir sehr viele schöne Aktionen
veranstalten: zum Beispiel die Gründung von zwei Kindergruppen oder die
Mitgestaltung des Erntedankzuges der Gemeinden. Wir machen Infostände und
sind mitmarschiert für mehr Grün am Fritz-Munkert-Platz. Sehr
erfolgreich ist unsere jährliche Pflanzentauschbörse. Interessant ist,
dass wir immer wieder von der Bevölkerung angefragt werden. Immer dann,
wenn die Menschen spüren, dass die Natur in unserem Stadtteil Schutz
braucht, wenn ein Baum gefällt wird oder wenn neu gebaut wird, ist unser
Rat gefragt.
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Sie haben auch den Schutz und die Pflege einiger
Biotope bewirkt?
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Besonders am Herzen gelegen war uns die Ziegellach. Das ist ein Waldstreifen mit
besonders alten Eichenbeständen. Er steht unter Naturschutz und wir haben
dort vor Jahren einen Waldlehrpfad eingerichtet, der immer wieder der Wartung
bedarf. Auch das Forstamt hat sich daran beteiligt. Unser zweites
Highlight-Biotop ist natürlich der Weiher am Marienbergpark. Dort gibt es
auch regelmäßig Führungen mit Wolfgang Dötsch. Durch
Führungen soll die Bevölkerung den Wert der Biotope kennen und
schätzen lernen. Es sind nur kleine Führungen, aber zu Beispiel junge
Familien nehmen das gerne in Anspruch.
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Kommen wir zum oben schon erwähnten
Aktionsbündnis "Lebenswertes Ziegelstein".
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Das ist unser Hauptwerk, auf das wir auch stolz sind. Und zwar, weil wir es
geschafft haben, im Kampf gegen die Nordanbindung unterschiedlichste
Gruppierungen dauerhaft zu vereinen; damit ist das Bündnis gegen die
Nordanbindung sehr schlagkräftig.
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Die Initiative dazu hatte der BN und die Koordinierung ist bei unserer kleinen
Gruppe und wir schaffen es also, sowohl das Aktionsbündnis "Lebenswertes
Ziegelstein", als auch den LBV, die Fluglärmschutzgemeinschaft
Buchenbühler Siedler, die mit dem BN anfangs überhaupt nichts am Hut
hatten und jetzt wirklich zuverlässige Partner sind, zu vereinen. Wir haben
die Grünen, wir haben verschiedene kleine Parteien, die ÖDP und die
Linken und wir haben die ganze große Friedensgruppierung, die immer dabei
sind, die sonst mit den anderen Gruppierungen überhaupt nichts zu tun
haben. Ein bisschen besteht aber die Gefahr, dass die Bevölkerung sagt, na
ja, der BN kümmert sich schon. Dass sie meinen, mit einer Unterschrift
wäre schon genug getan. Manchmal hab ich den Eindruck, dass der BN eine Art
Alibifunktion hat, da geben die Leute manchmal ganz gern die Verantwortung ab.
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Was sagt der Blick in die Zukunft?
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Also, ich glaube die Hauptarbeit wird sein, von weiteren Straßenbauten
abzusehen. Einfach zu versuchen, dass der Individualverkehr nicht mehr ausgebaut
wird. Das sieht doch heute jeder ein! Dann ist sicher auch beim Flugverkehr noch
was zu tun: ein konsequentes Nachtflugverbot zu fordern und weitere
Belästigungen für die Bevölkerung zu verhindern.
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Sind Sie optimistisch, wie motivieren Sie sich für
das Weitermachen?
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Na ja, die Pessimist/innen haben uns bereits schon verlassen… Ich bin durchaus
optimistisch, sonst könnte man die Arbeit nicht machen. Drum freuen wir uns
über die anderen kleinen Aktionen. Die Pflanzentauschbörse zum
Beispiel, ist jedes Mal sehr schön. Oder wenn wieder eine Expedition mit
Wolfgang Dötsch stattfindet. Da sind wir alle voll dabei und das gibt
wieder die Energie, weiter zu machen.
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Frau Dr. Grau, wir danken für dieses Interview!
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Bildunterschrift: Mitglieder der Ortsgruppe in Aktion
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André Winkel (Redaktionsteam "Mauersegler")
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