Artikel im Mauersegler Nr. 3/2008 
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Fahrrad "to go" – mit dem "nextbike" durch Nürnberg und Umgebung

Seit ca. einem halben Jahr bevölkern die Fahrräder von nextbike die großen Plätze der Nürnberger Innenstadt. Durch die auffälligen Werbeflächen sehen die so genannten "Beachcruiser" etwas kurios aus. Aber mit ihrem markanten Retro-Design inklusive Korb am Lenker ziehen sie alle Blicke auf sich. Einigen hatten sich vielleicht schon die Frage gestellt, was es mit diesen Rädern auf sich hat und ob man damit überhaupt fahren kann. Eine in der Tat berechtigte Frage, wirken die Fahrräder doch zunächst eher als reine Werbeflächen. Nach eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass man die "Beachcruiser" von nextbike durchaus benutzen kann. Diese Erkenntnis ist bisher allerdings noch wenig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit durchgesickert.
Dabei bieten die Räder sowohl für Nürnberger als auch Touristen eine neue umweltfreundliche Möglichkeit, sich in Nürnberg und der näheren Umgebung fortzubewegen. Neugierige Blicke sind dem Benutzer auf jeden Fall sicher.
Hinter den Fahrrädern steht die Firma nextbike mit einem ausgeklügelten Fahrradverleihsystem. Nach einmaliger Registrierung im Internet und Aufladen des Guthabens können die Räder via Telefon ausgeliehen werden.
Damit der erste Schritt zum Ausleihen leichter fällt, ist es vielleicht interessant zu wissen, wie das Verleihsystem überhaupt funktioniert.
Voraussetzung ist ein Internetzugang und ein Mobiltelefon. Auf der Internetseite www.nextbike.de muss man sich einmalig mit persönlichen Daten registrieren. Als Zahlungsmöglichkeit wählt man zwischen Kreditkarte und Überweisung. Die Fahrpreise belaufen sich auf 1 Euro pro Stunde, für 24 Stunden zahlt man 5 Euro. Zum Ausleihen eines nextbikes ruft man die Kundenhotline an und gibt dort das Nummernkennzeichen des gewünschten Fahrrads ein. Zurück kommt der Zahlencode, mit dem das Schloss am Fahrrad geöffnet werden kann. Jetzt kann man einfach das aufgesperrte Rad nehmen und losfahren. Der Zahlencode ist übrigens der Schlüssel zum Schloss, somit ist das nextbike auch jederzeit wieder abzusperren. Die Rückgabe kann in Nürnberg an grundsätzlich allen Ausleihorten erfolgen. Das Rad wird wieder abgesperrt und die Kundenhotline angerufen. Über den gesamten Ausleih- und Rückgabevorgang lässt sich sagen, dass er wirklich einfach, schnell und problemlos funktioniert.
Alle, die befürchten, die Rückgabe des Fahrrads zu vergessen, können beruhigt sein: Nach 24 Stunden kommt eine automatische Erinnerungsnachricht auf das Handy.
Im Moment gibt es in ganz Nürnberg etwas mehr als 100 nextbikes, das Ziel ist eine Stückzahl von ganzen 1.000 Rädern. Hat man sich einmal registriert, kann man sich damit an allen Standorten von nextbike Fahrräder ausleihen – und kann damit in vielen großen deutschen Städten, von Berlin über Frankfurt und Köln bis Hamburg die Räder nutzen. Nextbike hat sich sogar in internationale Gefilde vorgewagt: Auch in Österreich und Neuseeland kann man mittlerweile die Beachcruiser ausleihen.
Und jetzt kommen wieder die großen Werbeflächen ins Spiel. Denn das ganze System finanziert sich komplett durch Werbung. Man kann sich natürlich fragen, was eigentlich im Vordergrund steht: Das Marketing oder das umweltfreundliche Vehikel. Vor allem aus Sicht des Bundes Naturschutz eine wichtige Frage. Das Prinzip "Eine Hand wäscht die Andere" scheint hier zuzutreffen. Ohne die markante Werbung wäre die Ausleihgebühr wesentlich höher und das Verleihen nicht mehr so attraktiv. "Der umweltfreundliche Aspekt kommt ja fast schon ganz automatisch durch die Natur der Sache", wie es Simon Röschke von roeschke & roeschke, Werbeagentur und nextbike-Vertreter in Nürnberg, nennt. Damit hat er nicht Unrecht. Dennoch könnte der Umweltaspekt noch deutlich mehr bei der Vermarktung der Räder in den Vordergrund gestellt werden – schließlich leistet man in der Tat einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz.
Gerade für mich als FÖJlerin und Berufseinsteiger war es eine interessante Erfahrung, das Fahrradverleihsystem zu nutzen. Da ich zurzeit ohne Auto und Fahrrad in Nürnberg nicht gerade mobil unterwegs bin, weiß ich die Alternative zu Bus und Bahn durchaus zu schätzen. Ein Pluspunkt ist auch eine ganz neue Flexibilität: Man hat zum Beispiel die Möglichkeit, mit der Bahn in andere Städte zu fahren und dort auf der Stelle ein Fahrrad zur Verfügung zu haben – und das, ohne das eigene Rad umständlich mitzunehmen.
Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft: In den nächsten Ausgaben des Mauerseglers werden weitere alternative umweltfreundliche Methoden zur Fortbewegung vorgestellt. Unter anderem wird dabei auch das Modell des "CarSharing" näher unter die Lupe genommen werden.
Bildunterschrift: Lisa Schäder bei der Recherche vor Ort  Foto: Gisela Adler
Lisa Schäder (Freiwilliges Ökologisches Jahr)