Artikel im Mauersegler Nr. 3/2008 
  Interview
 

Mit der Transsib an den Baikalsee oder die Entdeckung der Langsamkeit

Interview mit Thomas Müller dem neuen Geschäftsführer der BN-Service GmbH
Seit gut einem halben Jahr ist Thomas Müller (36 Jahre) nun schon Geschäftsführer der BN-Service GmbH in Lauf. Er ist damit nicht nur für den Vertrieb von Büchern, Broschüren und anderen BN-Artikeln rund um das Thema Naturschutz zuständig, sondern auf für das umfangreiche Angebot von umweltfreundlichen BN-Reisen quer durch halb Europa.
Mauersegler: Herr Müller, wie darf man sich das vorstellen, umweltfreundlich reisen durch Europa. Wenn man den aktuellen Katalog durchblättert und sich die zum Teil weit entfernten Reiseziele anschaut, denkt man eigentlich sofort an eine Anreise mit dem Flugzeug.
Thomas Müller: Und gerade das wollen wir bei unseren Angeboten vermeiden. Der Leitspruch dem wir folgen lautet "das Fliegen überlassen wir den Vögeln". An den Baikalsee geht es hin und zurück mit der Eisenbahn. Island und die Färöer-Inseln werden mit dem Schiff erreicht.
Das bedeutet in unserer geschwindigkeitsversessenen Zeit ein radikales Umdenken. Tausende Kilometer mit dem Zug durch Russland nach Sibirien und wieder zurück. Wird das nicht furchtbar langweilig?
Ganz im Gegenteil. Ich betreue die Fahrt an den Baikalsee als Reiseleiter und ich muss sagen, dass es nichts Faszinierenderes gibt als die fünftägige Zugfahrt von Nürnberg über Moskau an das sogenannte sibirische Meer. Ich hatte diese Bedenken auch am Anfang, habe fünf Bücher als Reiselektüre mitgenommen und habe noch nicht einmal eins davon begonnen. Die Fahrt mit der Eisenbahn ist in einem doppelten Sinn eine Zeitreise. Klar, zum einen mutet es sehr altmodisch an, eine solche Strecke mit dem Zug zurück zulegen. Aber andererseits spielt die Zeit nach eine paar Tagen nur noch eine untergeordnete Rolle. Die sich langsam verändernde Landschaft und der leicht monotone Tagesablauf führen gewissermaßen zu einer Entschleunigung des eigenen Rhythmus. Und dass ist eine unglaublich entspannende Erfahrung. Nach ein paar Tagen hat man jeden Zivilisationsstress vollkommen hinter sich gelassen.
Nie scheint der viel strapazierte Spruch "der Weg ist das Ziel" sinnvoller als bei einer solchen Zugreise. Aber neben der Langsamkeit, gibt es gibt noch weitere Entdeckungen zu machen.
Neben der überwältigenden Natur, gibt es selbstverständlich auch noch die zwischenmenschlichen Begegnungen. Und die sind oftmals von einer Spontaneität und Intensität, die auch der beste Reiseführer nicht planen kann. Es ist wirklich eine Entdeckungsreise im eigentlichen Sinne des Wortes.
Nun ist so eine aufwändige Reise zwar sicher seinen Preis wert, aber vielleicht nicht für jeden Geldbeutel geeignet. Was gibt es sonst noch in ihrem Portfolio?
Nun, ich bin ja nicht nur Geschäftsführer der Service GmbH und Reiseleiter für die Transsib, sonder auch staatlich geprüfter Natur- und Landschaftsführer für den Bayerischen Wald.
Das ist ihre Heimat, in der sie aufgewachsen sind.
Genau. Und für diese wunderbare Landschaft setze ich mich auch mit Nachdruck ein. Man muss nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Entdeckungen kann man auch bei uns in Bayern machen. Hier bin ich auch gerne bereit, Fahrten und Führungen anzubieten, die nicht in unserem aktuellen Katalog aufgeführt sind. Für unsere BN-Mitglieder plane ich auch schon mal etwas außerhalb der Reihe.
Sie sind nun seit ca. einem halben Jahr Geschäftsführer bei der BNService GmbH und so nebenbei, auch das sei kurz angemerkt, noch bis Anfang 2009 ehrenamtlicher Bürgermeister von Bayrisch Eisenstein. Was darf man sich in für die Zukunft für Perspektiven von dem vielseitigen Thomas Müller erwarten?
Neben Altbewährten werden ich natürlich auch neue Akzente setzen. Die deutschen Nationalparks, Russland, Skandinavien und die vielen anderen sehenswerten Regionen Europas, wollen auf die sanfte Art touristisch entdeckt werden. Die Reisen in die bayerischen und deutschen Nationalparks verstehe ich dabei durchaus auch als umweltpolitischen Akzent, bei dem wir vor Ort zeigen, dass Tourismus nicht gleichbedeutend sein muss mit Umweltzerstörung.
Sanfter Tourismus vor der eigenen Haustür. Was gibt es in entfernteren Gefilden?
Momentan arbeite ich an einer Reiseroute durch Umbrien. Die einzige italienische Region, die nicht ans Mittelmeer angrenzt, bietet eine Fülle an Sehenswürdigkeiten und war unter anderem der Wirkungskreis des heiligen Franz von Assisi.
Also, ein Reise auf den Spuren des Umweltheiligen und gewissermaßen einem der ersten Naturschützer überhaupt. Herr Müller, ich bedanke mich für dieses Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg bei der Planung von interessanten und umweltverträglichen Reisen durch Europa.
Bildunterschrift: Blick aus der Transsib
Bildunterschrift: Thomas Müller
Bildunterschrift: Dorf am Baikalsee  Fotos: Thomas Müller
Das Gespräch führte André Winkel (Redaktionsteam "Mauersegler")