Mit der Transsib an den Baikalsee oder die Entdeckung der Langsamkeit
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Interview mit Thomas Müller dem neuen Geschäftsführer der
BN-Service GmbH
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Seit gut einem halben Jahr ist Thomas Müller (36 Jahre) nun schon
Geschäftsführer der BN-Service GmbH in Lauf. Er ist damit nicht nur
für den Vertrieb von Büchern, Broschüren und anderen BN-Artikeln
rund um das Thema Naturschutz zuständig, sondern auf für das
umfangreiche Angebot von umweltfreundlichen BN-Reisen quer durch halb Europa.
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Mauersegler: Herr Müller, wie darf man sich das
vorstellen, umweltfreundlich reisen durch Europa. Wenn man den aktuellen Katalog
durchblättert und sich die zum Teil weit entfernten Reiseziele anschaut,
denkt man eigentlich sofort an eine Anreise mit dem Flugzeug.
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Thomas Müller: Und gerade das wollen wir bei unseren Angeboten vermeiden.
Der Leitspruch dem wir folgen lautet "das Fliegen überlassen wir den
Vögeln". An den Baikalsee geht es hin und zurück mit der Eisenbahn.
Island und die Färöer-Inseln werden mit dem Schiff erreicht.
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Das bedeutet in unserer geschwindigkeitsversessenen
Zeit ein radikales Umdenken. Tausende Kilometer mit dem Zug durch Russland nach
Sibirien und wieder zurück. Wird das nicht furchtbar langweilig?
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Ganz im Gegenteil. Ich betreue die Fahrt an den Baikalsee als Reiseleiter und
ich muss sagen, dass es nichts Faszinierenderes gibt als die
fünftägige Zugfahrt von Nürnberg über Moskau an das
sogenannte sibirische Meer. Ich hatte diese Bedenken auch am Anfang, habe
fünf Bücher als Reiselektüre mitgenommen und habe noch nicht
einmal eins davon begonnen. Die Fahrt mit der Eisenbahn ist in einem doppelten
Sinn eine Zeitreise. Klar, zum einen mutet es sehr altmodisch an, eine solche
Strecke mit dem Zug zurück zulegen. Aber andererseits spielt die Zeit nach
eine paar Tagen nur noch eine untergeordnete Rolle. Die sich langsam
verändernde Landschaft und der leicht monotone Tagesablauf führen
gewissermaßen zu einer Entschleunigung des eigenen Rhythmus. Und dass ist
eine unglaublich entspannende Erfahrung. Nach ein paar Tagen hat man jeden
Zivilisationsstress vollkommen hinter sich gelassen.
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Nie scheint der viel strapazierte Spruch "der Weg ist
das Ziel" sinnvoller als bei einer solchen Zugreise. Aber neben der Langsamkeit,
gibt es gibt noch weitere Entdeckungen zu machen.
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Neben der überwältigenden Natur, gibt es selbstverständlich auch
noch die zwischenmenschlichen Begegnungen. Und die sind oftmals von einer
Spontaneität und Intensität, die auch der beste Reiseführer nicht
planen kann. Es ist wirklich eine Entdeckungsreise im eigentlichen Sinne des
Wortes.
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Nun ist so eine aufwändige Reise zwar sicher
seinen Preis wert, aber vielleicht nicht für jeden Geldbeutel geeignet. Was
gibt es sonst noch in ihrem Portfolio?
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Nun, ich bin ja nicht nur Geschäftsführer der Service GmbH und
Reiseleiter für die Transsib, sonder auch staatlich geprüfter Natur-
und Landschaftsführer für den Bayerischen Wald.
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Das ist ihre Heimat, in der sie aufgewachsen
sind.
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Genau. Und für diese wunderbare Landschaft setze ich mich auch mit
Nachdruck ein. Man muss nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Entdeckungen
kann man auch bei uns in Bayern machen. Hier bin ich auch gerne bereit, Fahrten
und Führungen anzubieten, die nicht in unserem aktuellen Katalog
aufgeführt sind. Für unsere BN-Mitglieder plane ich auch schon mal
etwas außerhalb der Reihe.
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Sie sind nun seit ca. einem halben Jahr
Geschäftsführer bei der BNService GmbH und so nebenbei, auch das sei
kurz angemerkt, noch bis Anfang 2009 ehrenamtlicher Bürgermeister von
Bayrisch Eisenstein. Was darf man sich in für die Zukunft für
Perspektiven von dem vielseitigen Thomas Müller erwarten?
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Neben Altbewährten werden ich natürlich auch neue Akzente setzen. Die
deutschen Nationalparks, Russland, Skandinavien und die vielen anderen
sehenswerten Regionen Europas, wollen auf die sanfte Art touristisch entdeckt
werden. Die Reisen in die bayerischen und deutschen Nationalparks verstehe ich
dabei durchaus auch als umweltpolitischen Akzent, bei dem wir vor Ort zeigen,
dass Tourismus nicht gleichbedeutend sein muss mit Umweltzerstörung.
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Sanfter Tourismus vor der eigenen Haustür. Was
gibt es in entfernteren Gefilden?
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Momentan arbeite ich an einer Reiseroute durch Umbrien. Die einzige italienische
Region, die nicht ans Mittelmeer angrenzt, bietet eine Fülle an
Sehenswürdigkeiten und war unter anderem der Wirkungskreis des heiligen
Franz von Assisi.
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Also, ein Reise auf den Spuren des Umweltheiligen und
gewissermaßen einem der ersten Naturschützer überhaupt. Herr
Müller, ich bedanke mich für dieses Gespräch und wünsche
weiterhin viel Erfolg bei der Planung von interessanten und
umweltverträglichen Reisen durch Europa.
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Bildunterschrift: Blick aus der Transsib
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Bildunterschrift: Thomas Müller
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Bildunterschrift: Dorf am Baikalsee
Fotos: Thomas Müller
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Das Gespräch führte André Winkel (Redaktionsteam "Mauersegler")
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