Feinschmeckers Weihnachtsgedanken: Gans in Weiß
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Landauf, landab müssen nun viele tausend Gänse, Enten und Co. ihr
Leben lassen. Und selbst der Fuchs besorgt sich, wie allseits bekannt, sein
weihnachtliches Bratenstück. "Fuchs, du hast sie ganz gestohlen", oder so
ähnlich heißt es ja im Kinderlied. Dabei sollte Meister Reineke
umsichtig zu Werke gehen. So einfach ist das nicht mehr. Noch leben viele
Gänse in Ställen, Scheunen und anderen merkwürdigen Behausungen
versteckt. Zudem könnte ja das Gänslein von einem darüber
fliegenden Zugvogel (hat nichts mit der Bahn zu tun, die hält sich an keine
Uhr, schon gar nicht an die innere der besagten Tiere) mit dem Vogelgrippevirus
beworfen worden sein.
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Und dann, manche dieser Tiere stammen ja nun wahrhaftig aus scheußlichen
Massenquartieren und bekommen täglich so viele Antibiotika verabreicht,
dass ein normaler deutscher Rotfuchs auf Grund eines Leberschadens gansgelb
würde. Und als Gelbfuchs ist er weder in der Pelzindustrie noch im
Märchen so recht zu gebrauchen. Und was für den Fuchs gilt, sollte man
meinen, das hat auch für den Menschen Bedeutung.
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Also, lieber gänslich verwöhnter Feinschmecker: Brate dir zu
Weihnachten, trotz Sparmaßnahmen, keinen liegen gebliebenen Storch, greif
aber auch nicht zur gequälten Masssengans aus der Kühltruhe beim
Discounter um die Ecke, nur weil du dir die Antibiotika gegen deine
Erkältung gleich mitsamt dem Weihnachtsbraten einverleiben willst. Als
wahrer Gourmet gehst du zum Händler deines Vertrauens oder suchst dir ein
Bäuerlein mit Bachanschluss und Gänsespielwiese und erstehst ein
rechtschaffen genährtes, arzneimittelfreies, freischwimmgeübtes,
ziemlich lange glücklich gelebt habendes Federvieh, welches besagter
Landmann nur auf deine flehentlichen Bitten unter Tränen vom Leben zum Tode
befördert (für Vegetarier gibt es ja immer noch die Gemüselasagne
des örtlichen Frostfuhrunternehmers).
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Fazit: Feinschmecker sind Naturfreunde, greifen dem heimischen Bauersmann unter
die krisengeschüttelten Arme, schonen ihre Leber und verschaffen sich
himmlische Genüsse zur Gänse/Gänze.
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Für den schlimmsten Fall, dass nämlich ein Transitgeier im Vorbeiflug
gerade unsere Weihnachtsgans mit diesem Virus versaut hätte, hat unsere
hoch-wohllöbliche bayerische Staatsregierung ein paar hunderttausend
Ampullen gehortet. Als weihnachtlichen Digestif sozusagen. Das sichert
andererseits Arbeitsplätze. In der Schweiz.
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Fröhliche Weihnachten!
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Bildunterschrift: Reinhard Figel
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Reinhard Figel
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