Artikel im Mauersegler Nr. 3/2008 
  Editorial
 

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der Natur,

zum Ende eines Jahres lässt man dieses Revue passieren. Ich erlaube mir einen Blick genau zwei Jahre zurück. Damals zitierte ich bereits Jean Ziegler, bis 2008 Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung: "Die mörderische Ordnung der Welt muss umgestürzt werden. Eine Horde wild gewordener ... Finanzbanditen hat eine Welt der Ungleichheit und des Schreckens errichtet." Prophetische Worte angesichts der weltweiten Finanzkrise! Die rückwärts Denkenden nehmen jetzt den ungeheuerlichen, von uns Steuerzahlern aufzubringenden Kapitalbedarf verbrecherisch Spekulierender als leichte Ausrede, der Entwicklungshilfe, dem Natur- und dem Klimaschutz den Geldhahn abzudrehen. Dabei wissen einsichtige Volkswirtschaftler spätestens seit dem Stern-Bericht von 2006, dass es wesentlich billiger kommt, in Klimaschutz sofort zu investieren, als später die Folgen zu bezahlen. Doch was geschieht?
Die neue bayerische Staatsregierung hat nichts Eiligeres zu tun, als auf Druck von BMW und Audi eine deutliche Absenkung der CO2-Werte zu verhindern – so nebenbei wird auch gleich das Rauchverbot mit dem Argument der großen Freiheit gelockert. Die Kernernergie wird wieder als absolut sicher, billig, und gar als heimische Energie gelobt. Auch in Nürnberg soll beim Umweltschutz, etwa beim Kommunalen Energiemanagement und bei der lokalen Agenda 21, erheblich gekürzt werden. Wer hofft da noch auf Ergebnisse der gerade laufenden Weltklimakonferenz? Wird uns Obama retten?
Während wir die Finanzkrise in unserem Geldbeutel spüren, bedeutet sie in den ärmeren Ländern – neben anderen menschengesteuerten Gründen – millionenfachen Tod. Dringende Investitionen in die Infrastruktur und die Landwirtschaft unterbleiben. Doch hier blendet uns ein neuer Stern am Täuschungshimmel: Die Gentechnik soll die Hungernden sättigen. Gierige Agrokonzerne wollen den Landwirtschaftsmarkt unter ihre völlige Kontrolle bringen. Dabei weiß auch hier längst Jean Ziegler: "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."
Immerhin scheinen die meisten Politiker bei uns die Problematik der Agrogentechnik erkannt zu haben. Wir werden Sie beim Wort nehmen, wenn wir nächstes Jahr eine agrogentechnikfreie Zone Nürnberg proklamieren, und auch ihre Politik in Europa prüfen!
Helfen auch Sie mit, diese und andere Ziele mit uns durchzusetzen. Kommen Sie zu unseren Gruppen, spenden Sie auch 2009 und werben Sie Mitglieder. Nur gemeinsam sind wir stark.
Ich wünsche Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr.
Günther Raß
1. Vorsitzender