Artikel im Mauersegler Nr. 3/2007 
  Baum des Jahres 2008
 

Dem Menschen ein guter Freund

Echte Walnuss zum Baum des Jahres 2008 gewählt
Die leuchtend goldenen Birnen des Herrn Ribbeck wurden von Theodor Fontane in die Unsterblichkeit gedichtet.
Der Lindenbaum bekam am Brunnen vor dem Tore ein Denkmal errichtet. Aber von Walnuss kennt man häufig nicht mehr als ihre schmackhaften Früchte, die auf keinem Weihnachtsteller fehlen dürfen. Bis vor hundert Jahren war dieser klassische Hofbaum noch wesentlich häufiger in Deutschland anzutreffen. Durch intensive Übernutzung und fehlende Nachpflanzung sind die Bestände jedoch stark zurück gegangen.
Alljährlich vergibt das Kuratorium Baum des Jahres (KBJ) den prestigeträchtigen Titel und lenkt damit nicht selten den Fokus des Interesses auf Gehölze, die in der allgemeinen Wahrnehmung keine große Beachtung mehr finden.
Das ist im Fall der Walnuss sehr bedauerlich, handelt es sich doch um einen Kulturbaum dem durch seine Vielfältigkeit eine besondere Bedeutung zuwächst. Dr. Silvius Wodarz, der Vorsitzende des KBJ, fordert deshalb, dass "wir uns mehr um diesen typischen Hausbaum, unseren guten alten Freund kümmern sollten".
Ihren heutigen Namen bekam die Walnuss im 18. Jahrhundert. Er ging aus dem Wort Welschbaum hervor und weist auf das ursprüngliche Herkunftsgebiet hin. Die Walnuss entstammt den warmen Gefilden des Mittelmeeres (Italien = Welschland) und fand bereits im römischen Imperium eine weite Verbreitung. In Deutschland findet man den Baum vor allem in den klassischen Weinanbaugebieten. Diese Übereinstimmung lässt sich damit erklären, dass die Walnuss, ähnlich wie der Wein, ein mildes Klima bevorzugt. Sie gedeiht am besten an geschützten Standorten und ist empfindlich gegen Spätfröste. Eine verspätete Kälteperiode kann zu Einbußen bei der herbstlichen Nussernte führen.
Der Walnussbaum bietet gleich zwei Dinge von höchster Qualität: edles Holz und vitaminreiche Nüsse. Das seine Blätter erst spät im Mai austreiben und früh im Herbst wieder abfallen, ist ein Vorteil für diesen Hausbaum: Im Frühjahr wirft er Schatten, wenn man ihn sich wünscht und im frühen Herbst lässt er die schwächer werdende Sonne wieder durch seine dann blattlose Krone hindurch scheinen.
Der Boden unterhalb einer Walnuss ist meistens nicht bewachsen. Der Baum gibt wachstumshemmende Stoffe ab, die verhindern, dass sich lästige Mitbewerber um Nährstoffe in unmittelbarer Nähe ausbreiten können. Diese chemische Konkurrenz wird als Allelopathie bezeichnet. Nussbäumen wird weiterhin die Eigenschaft zugeschrieben Fliegen zu vertreiben. Auf Bauernhöfen findet man sie nicht selten im Bereich zwischen Wohnhaus und dem unvermeidbaren Misthaufen.
Bereits die österreichische Kaiserin Maria Theresia förderte im 18. Jahrhundert den Anbau und ordnete an, dass "an jedem Hof [...] ein Nussbaum stehen" soll. Solche kaiserliche Umweltprogramme lassen sich zwar heute nicht mehr umsetzten, aber die bundespräsidiale Aufmerksamkeit ist dem Walnussbaum sicher. "Der Schutz der Umwelt ist eine der wichtigsten Aufgaben, für die wir heute Verantwortung tragen. Die Initiative Baum des Jahres schärft unser Bewusstsein dafür, dass Umwelt nichts Abstraktes ist, sondern schon beim nächsten Straßenbaum beginnt. [...] das alles finde ich gut [...]": Den Worten von Bundespräsident Horst Köhler kann man sich nur anschließen und so bleibt zu wünschen, dass diese Initiative auch weiterhin so erfolgreich agiert wie bisher.
Bildunterschrift: Walnuss (Juglans regia) Druck 19. Jhr.
André Winkel, Dipl.-Ing. (FH), M.A., (Redaktionsteam "Mauersegler")