Im Westen was Neues
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Der AK Bäume startet eine Initiative für mehr
Bäume in Nürnbergs dichtbesiedeltem Westen
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Will man den wirtschaftlichen Auf- und Niedergang der einst blühenden Handels-
und Industriemetropole Nürnberg studieren, so bietet sich wohl kein besserer Ort
als die Fürther Straße. Wo einst der Adler, Deutschlands erste Eisenbahn, auf
gerader Strecke Nürnberg mit seiner Nachbarstadt Fürth verband, reihten sich die
großen Namen deutscher Wirtschaftsunternehmen. Quelle, Adler, Triumph, Siemens,
AEG und MAN standen für Innovation und Prosperität. Produktion und Arbeitsplätze
verschwanden in den letzten Jahrzehnten. Geblieben ist ein Gebiet, das geprägt
ist von den Umwälzungen der vergangenen 150 Jahre: Industriebrachen, dichte
Wohnbebauung und ein schmerzhaftes Defizit an Grünflächen.
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28 Nürnberger teilen sich in der Weststadt einen Straßenbaum
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Auf einem Areal von 4,5 km2, das sind immerhin 2,4 % der Gesamtstadt, leben mit
rund 30.000 Menschen 6 % der Gesamtbevölkerung Nürnbergs in der Weststadt. Im
Durchschnitt kommt in der Gesamtstadt auf 19 Nürnberger ein Straßenbaum. In den
westlichen Stadtteilen Gostenhof, Muggenhof, Doos, Kleinweidenmühle und
Eberhardshof ist das Verhältnis noch weitaus ungünstiger. Hier teilen sich 28
Nürnberger einen Baum.
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Dabei sind die Unterschiede in den einzelnen Quartieren sehr groß. Während die
Fürther Straße auf ihrer gesamten Länge mit zwei bis drei Reihen Straßenbäumen
ausgestattet ist, sucht man im Westen der Adam-Klein-Straße vergeblich nach
Bäumen. Ganz drastisch zeigen sich die Unterschiede bei den Parallelstraßen
Beckstraße und Murrstraße: die Beckstraße ist vorbildlich mit Straßenbäumen
bestückt, in der Murrstraße fi ndet sich kein einziger Baum.
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Nicht jede Straße ist dazu geeignet, um mit Straßenbäumen bepflanzt zu werden.
Aber das Potenzial gerade in der Weststadt ist riesengroß. Anders als in der
engen Nürnberger Altstadt bieten die großzügigen und weiten Straßenraumprofile
der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts durchaus die Möglichkeit einer Begrünung.
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Forderung nach 600 neuen Bäumen
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Wie eine im April 2011 fertiggestellte Studie zeigt, bieten die Straßen in der
Weststadt Platz für weitere 2164 Baumstandorte. Die von der Projektgruppe
Straßenbäume unterstützte Studie berücksichtigt dabei ausschließlich die
oberirdischen Verhältnisse, wie Straßenquerschnitte, Abstände zu
Straßenkreuzungen, Einfahrten etc. Nicht untersucht wurden die unterirdischen
Verhältnisse und damit verbunden die Einschränkungen, die sich aus Kabeln,
Rohrleitungen und Kanälen im Untergrund ergeben.
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Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass von den auf diese Weise
ermittelten Baumstandorten letztlich nur 20 bis 30 Prozent realisiert werden
können. Aber selbst nach dieser korrektiven Bereinigung bleiben immerhin noch
stattliche 500 bis 600 potenzielle Möglichkeiten, um einen Baum zu pflanzen.
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Stadtklima als Wohlfühlfaktor
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Stadtgrün ist ein wichtiger Faktor bei der Wärmeregulierung und Luftreinheit. Je
größer eine Stadt wird, umso mehr bildet sich ein typisches Stadtklima heraus,
das einhergeht mit Luftverschmutzung, Überwärmung sowie Abnahme der relativen
Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit. Verstärkt werden diese Faktoren noch
durch den nicht mehr zu ignorierenden Klimawandel. Diesem eher lebensfeindlichen
Klima steht die ewige Sehnsucht des Stadtmenschen nach Natur gegenüber. Eine
Reihe von Soziologen und Psychologen beschäftigten sich mit diesem Thema und
fanden heraus, dass Landschaften mit grüner Vegetation beruhigend und Stress
abbauend auf Menschen wirken. Grün wird somit zu einem echten Wohlfühlfaktor,
der wesentlich dazu beiträgt die Lebensqualität einer Stadt zu steigern.
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Die Stadt Nürnberg hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen
unternommen um die Weststadt zu beleben. Ein Dreiklang aus Wohnen, Wirtschaft
und Kultur hat dazu geführt, dass zwischen Plärrer und Stadtgrenze ein buntes,
quirliges und dynamisches Viertel entstanden ist, dessen Potenzial noch lange
nicht ausgereizt ist.
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Der AK Bäume setzt sich für mehr Straßenbäume in Nürnbergs Westen ein. Mit einer
eigens hierfür erstellten Broschüre wird er in den nächsten Monaten bei den
Bürgern und der Verwaltung für dieses Anliegen werben.
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Mathias Schmidt & André Winkel
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