Artikel im Mauersegler Nr. 2/2011 
  Nordanbindung
 

Wie weiter mit der Nordanbindung?

Das Planfeststellungsverfahren für die Flughafen-Nordanbindung geht in sein viertes Jahr – und kein Ende ist in Sicht. Schon zweimal musste die Straßenbaubehörde die Pläne nachbessern. Nach wie vor sind die Auswirkungen des Vorhabens auf das Grundwasser und auf die Vegetation nicht geklärt. In die Prüfung der biologischen Summenwirkung sind nun 450 weitere Eingriffe in den Reichswald einbezogen – vielleicht gibt es nächstes Jahr einen dritten Erörterungstermin.
In dem Planfeststellungsverfahren geht es nur um die Frage, wie der Straßenbau durchgeführt und durch landschaftspfl egerische Maßnahmen begleitet werden soll. Untersagen kann die Bezirksregierung in Ansbach das Vorhaben nicht. Verhindern kann den Eingriff in den Reichswald nur die Politik, und die hat mit dem von der Stadt Nürnberg beschlossenen Moratorium erst angefangen, die Straße in Frage zu stellen. Bürgerschaftliche Nachhilfe ist weiter dringend notwendig.
Kampf gegen die Nordanbindung
Das Bündnis "Nein" zur Flughafen-Nordanbindung – dem auch der Bund Naturschutz angehört – hat seit dem Herbst 2007 88 öffentliche Veranstaltungen durchgeführt, darunter zuletzt die Ausstellung "Reichswald in Not" des bekannten Fotografen Herbert Liedel in der Sebalduskirche. Im nächsten Frühjahr ist eine Verkehrszählung geplant, die nachweisen soll, dass durch die geplante Straße Ziegelstein nicht in dem Maße entlastet wird, wie dies zur Rechtfertigung des Vorhabens behauptet wird.
Am 21.03.2011 wurde der bayerische Forstminister Brunner, am 18.09.2011 der Innenminister Herrmann mit dem Widerstand gegen die Nordanbindung und andere Pläne und Projekte im Reichswald konfrontiert. Beide haben weitere Prüfung und Dialog zugesagt. Man wird sehen, was die Politiker sagen, wenn nach vier Jahren Prüfung der Pläne diese noch weiter ergänzt werden müssen, um eine Baugenehmigung möglich zu machen.
Am 30.09.2011 hat sich der bayrische Umweltminister Dr. Markus Söder für die Nordanbindung ausgesprochen. Er bezog sich dabei auf zwei Gutachten des ihm unterstellten Landesamtes für Umweltschutz. Diese sind allerdings, wie eine Nachfrage ergeben hat, nur in Augsburg und nirgends sonst einzusehen (!). Auch das bayrische Kabinett hat sich bei seiner Nürnberger Tagung am 04.10.2011 für die Nordspange ausgesprochen. Die spannende Frage ist, wann die Bezirksregierung in Ansbach den Planfeststellungsbescheid erlässt, der dann vom Bund Naturschutz angefochten werden kann.
Flughafenschneise zerstört wertvollen Lebensraum
Die Rodung für die vom Flughafen gewünschten Anfl ugschneisen im Wald ist inzwischen genehmigt. Das Verfahren stockte, nachdem der Bund Naturschutz im Erörterungstermin am 30.03.2011 Mängel in der artenschutzrechtlichen Prüfung gerügt hatte. Auch in diesem Verfahren musste der Flughafen als Antragsteller seine Unterlagen nachbessern. So war dort beispielsweise das erst kürzlich wieder aktuell nachgewiesene Vorkommen des Auerhahns im nördlichen Reichswald nicht berücksichtigt.
Ungeachtet dessen hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dem Flughafen am 10.10.2011 die begehrte Rodungserlaubnis antragsgemäß erteilt.
Wald wichtiger als Straßen
Pläne und Projekte mit einem Flächenanspruch von zwei Quadratkilometern werden von staatlichen Behörden, von Kommunen und Unternehmen im Reichswald verfolgt. Glücklicherweise steigt die Zahl der Bürger, die den Wald für wichtiger halten als Straßen, Einkaufszentren oder LKW-Rastanlagen.
Bildunterschrift: High Noon in Tennenlohe. Nordspangengegner und -befürworter Auge in Auge (v.l.n.r.: Bayrischer Innenminister Joachim Hermann, FD Dr. Peter Pröbstle vom WEZ Tennenlohe und Claus Bößenecker vom BN)
Claus Bößenecker