Artikel im Mauersegler Nr. 2/2011 
  Ökologischer Garten
 

Nistkästen – Tipps und Anregungen

Ausstattung der Nistkästen
Der Innenraum der Nistkästen sollte eine gewisse Größe haben. Der Innendurchmesser sollte 12 cm nicht unterschreiten (je nachdem, für welchen Vogel er gedacht ist), und auch die Wände sollten mindestens 16 mm stark sein. Je stärker die Wand, desto besser! Die Vögel sollen schließlich, wenn der Kasten in der prallen Sonne hängt, nicht durch die Hitze umkommen.
Form, Ausstattung und Farbe sind den Vögeln egal, sie wollen nur ein Zuhause haben, das vor störenden Einfl üssen und vor Wetter schützt.
Ort der Aufstellung
Am besten geeignet ist ein geschützter Platz ohne Störungen, auch vor Neugierigen, die gerne in die Kästen schauen wollen.
Der Nistkasten sollte nicht zu hoch oben befestigt werden, der Kasten soll problemlos jedes Jahr gereinigt werden können.
Sollten Sie die Absicht haben, einen oder mehrere Nistkästen auf einem Grundstück aufzuhängen, das Ihnen nicht gehört, dann sollten Sie vorher das Einverständnis des Grundstückseigentümers einholen.
Ausrichtung des Flugloches
Bitte keine Wissenschaft daraus machen! Die Himmelsrichtung ist eigentlich egal. Es soll nur nicht direkt ins Flugloch regnen können. Jungvögel sind wegen des fehlenden oder nicht ausreichend entwickelten Gefieders sehr empfindlich gegen Nässe und würden Schaden nehmen, sollten sie in ihrem Nest nass werden.
Daher sollte, soweit nicht eine windgeschützte Aufhängung möglich ist, das Flugloch in die Richtung zeigen, aus der in der Regel kein Regen kommt. Bei uns ist das die östliche Himmelsrichtung. Ob es wichtig ist, dass die Morgensonne in das Flugloch scheinen soll, ist eine überflüssige Frage. Meist hängt der Kasten ohnehin durch Laubwerk von Bäumen oder Büschen vor Sonne geschützt an einem Baum. Vögel, die in einem hohlen Baum nach einer natürlichen Nistgelegenheit suchen, werden wohl kaum dabei auch noch die Himmelsrichtung berücksichtigen.
Größe des Einflugloches
Durch die Wahl der Größe und Art des Einflugloches (rund oder oval) bestimmen Sie mit, welche Vögel in Ihrem Nistkasten wohnen werden. Grundsätzlich gilt: Größere, robustere Vögel setzen sich meist durch und vertreiben kleinere, schwächere Vögel aus dem Haus. Daher ist für kleinere Vögel ein kleines Einflugloch, für größere ein größeres Einflugloch von Vorteil. In vielen Bauanleitungen für Vogelhäuser wird der für die jeweilige Vogelart notwendige Durchmesser des Einflugloches millimetergenau angegeben. Auch hier gilt: Bitte keine Wissenschaft daraus machen, ob zum Beispiel für eine Blaumeise der Durchmesser bei 26 mm oder bei 28 mm besser ist. Es ist wohl besser, den Durchmesser etwas größer zu machen, allerdings mit dem kleinen vernachlässigbaren Risiko, dass sich einmal nicht der Wunschvogel, sondern eine andere Gattung einnistet.
Aufhängezeit
Das ganze Jahr über. Unsere gefiederten Freunde brauchen auch außerhalb der Brutzeit Unterschlupf und Schutz. Auch sollten sie Zeit haben, sich an ihre neue Wohnung zu gewöhnen.
Sitzstange unter dem Einflugloch – notwendig oder nicht?
Gehört eine Sitzstange vor dem Einflugloch zu einem richtigen Nistkasten? Eine Sitzstange ist grundsätzlich nicht notwendig. Um in den Kasten zu kommen, müssen die Vögel nicht vor dem Einflugloch zwischenlanden und dann in den Kasten schlüpfen. Die Vögel kommen auch ohne diese Zwischenlandung problemlos in ihr Heim. Die Sitzstange ist für Feinde der Vögel, denen wir eigentlich helfen wollen, eine gute Hilfestellung, um an die jungen Vögel zu kommen, sie aus dem Kasten zu holen und zu verspeisen. Elstern, Eichelhäher und Co. kommen ohne die beschriebene Sitzstange nicht so einfach an die Jungvögel im Kasten. Sie können sich an der relativ glatten Außenwand unter dem Einflugloch nicht festklammern. Außer den Staren nehmen die von uns beherbergten Vögel eine Sitzstange ohnehin kaum in Anspruch. Daher ist eine Sitzstange eher nachteilig für unsere Vögel, denen wir mit dem Nistkasten helfen wollen. Aus diesem Grund haben die von mir gebauten Nistkästen grundsätzlich keine Sitzstange unter dem Einflugloch.
Nistmaterial
So gut es auch gemeint ist: Kein Nistmaterial selbst in den Nistkasten einbringen. Vögel besorgen sich selber welches und können das viel besser als Menschen. Außerdem hat jede Vogelart ihr spezielles Nistmaterial und Sie wissen ja noch nicht, welcher Vogel das von Ihnen angebotene Haus beziehen wird. Auch kein Futter zum Anlocken der Vögel in den Nistkasten geben. Es ist im Vogelhaus doch recht dunkel und die Vögel würden das Futter nicht finden.
Wartung und Pflege
Nach Ende der Brutsaison (Spätsommer oder Herbst) sollte das alte, verbrauchte Nest entfernt werden. Die Vögel im kommenden Frühjahr wollen nicht die Flöhe, Läuse und Milben der Vormieter vom letzten Jahr übernehmen.
Vögel tragen jedes Jahr neues Nistmaterial ein. Wenn das alte Nest nicht entfernt wurde, legen die Vögel das neue Nistmaterial einfach darauf und bald ist der Kasten bis oben hin voll und nicht mehr bewohnbar.
Ausnahme: Stare machen den Wohnungsputz alleine.
Sollten Sie Flöhe oder Läuse bei einer Kontrolle feststellen, greifen Sie nicht gleich zu chemischem Mitteln. Sie würden dabei schützenswerte Insekten wie Hummeln, Falter, Spinnen, Ohrwürmer unnötigerweise gleich mit umbringen. Entfernen Sie einfach das alte Nest mit den unerwünschten Schmarotzern.
Fremdmieter
Sollten Sie im Herbst feststellen, dass sich Bilche, wie Siebenschläfer und Haselmaus, in Ihrem Nistkasten für den Winter einquartiert haben, seien Sie gastfreundlich! Säubern Sie dann den Nistkasten erst im Frühjahr, wenn diese niedlichen Gäste Ihr Haus verlassen haben.
Hornissen
Für den Fall, dass Hornissen sich in Ihrem Nistkasten niedergelassen haben: Seien Sie auch hier großzügig und gastfreundlich!
Hornissen sind nicht so gefährlich wie ihr Ruf, auch wenn sie bedrohlich groß wirken und ihr Fluggeräusch etwas lauter ist als das der Bienen oder Wespen! Sie werden Ihnen nichts tun, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Bienen und Wespen sind aggressiver als die zu unrecht als angriffslustig und gefährlich bezeichneten Hornissen.
Wenn Sie nun feststellen, dass sich Hornissen in Ihrem Vogelhaus niedergelassen haben, ist eine Leerung des Nistkastens erst in den Wintermonaten anzuraten. Dann haben die Hornissen den Nistkasten verlassen und sich in Erdlöcher verkrochen.
Hornissen bauen jedes Jahr im späten Frühling von Grund auf ein neues Nest und benutzen die Waben vom Vorjahr nicht mehr.
Hornissen sind auf der Roten Liste gefährdeter Arten und daher gesetzlich streng geschützt.
Dass sieben Hornissenstiche ein Pferd und drei einen Menschen töten können, ist eine Mär, die leider immer noch nicht auszurotten ist und ihre Runde macht.
Zu meiner Person
Als Kind vom Lande befasste ich mich von Jugend an intensiv mit der Natur und so auch mit den Vögeln und ihren Lebensräumen und eben auch mit Nistgelegenheiten. Ich habe mittlerweile sicher mehr als 1000 Nistkästen verschiedenster Ausführungen gebaut, warte und pflege davon viele selbst. Ich bin mir deshalb sicher, etwas davon zu verstehen.
Sollten Sie noch weitere Fragen oder auch Anregungen haben, dann dürfen Sie mich gern anrufen. Auch kann ich Ihnen stets eine Auswahl schmucker Nistkästen anbieten.
Ich bin unter der Telefon-Nr. (0911) 48 00 508 und 0176–54078779, und auch per Email unter ludwig.wiedenhofer(at)arcor.de zu erreichen.
Ludwig Wiedenhofer