Artikel im Mauersegler Nr. 2/2009 
  Eine Fahrt in die Ukraine
 

33 Stunden Zugfahrt. In einer winzigen 3-Bett-Kabine und ein Bord-Restaurant weit und breit nicht in Sicht? Klingt nicht nach Spaß? Na und ob.
So begann nämlich unsere 10-tägige Fahrt zu einem Umweltseminar in die ukrainische Partnerstadt Nürnbergs, Charkiv. Umweltseminar – das bedeutete nämlich auch bewusstes Anreisen – und zwar umweltfreundlich mit dem Zug.
Eine ganz bunt gemischte Gruppe aus sechs jungen Erwachsenen und vier Begleitern startete vom Nürnberger Hauptbahnhof auf diese spannende Reise Richtung Ukraine.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kiew, die man auch Stadt der goldenen Kuppeln nennt, ging die Reise weiter zu unserem eigentlichen Ziel.
In Charkiv, der Partnerstadt Nürnbergs, wurden wir alle sehr herzlich von unseren jeweiligen Gastfamilien aufgenommen.
Das Umweltseminar fand im Nürnberger Haus in Charkiv statt. In den folgenden Tagen sollten wir dort äußerst interessante Vorträge hören. Ukrainische Umweltorganisationen in Charkiv wie zum Beispiel die "Petschenegi" und die ökologische Allianz haben sich dabei eben so vorgestellt wie der Nürnberger BN.
Schnell wurde klar, dass der Umweltschutz in der Ukraine einen ganz anderen Stellenwert hat als in Deutschland. Das Umweltbewusstsein in der ukrainischen Gesellschaft ist kaum vorhanden. Die dortigen Umweltorganisationen müssen sich schon einiges einfallen lassen, damit sie die Leute überhaupt erreichen. Umso beeindruckender war es, dass es engagierte, junge Menschen gibt, die sich trotz massivem Gegenwind für ihre Sache einsetzen.
Während der Tage in Charkiv konnten wir mit unseren ukrainischen Austauschpartnern an verschiedenen Projekten arbeiten. Eine Gruppe erstellte zum Beispiel einen Flyer über einen bedrohten Waldpark, die anderen eine Umfrage zum Thema Wasserund Energieverbrauch. Das dritte Projekt war eine Fotoausstellung, die das Thema Abfall und Müllentsorgung in Charkiv dokumentierte.
Abgesehen von zahlreichen Müllbergen fiel eines besonders auf: Charkiv ist grün!
Die Stadt ist durchzogen von weitläufigen Parkanlagen, Gärten und Baumalleen, nach denen man in Nürnberg lange suchen kann. Nürnberg könnte sich da von seiner ukrainischen Partnerstadt eine Scheibe abschneiden.
Neben Vorträgen, Diskussionen und Projekten konnten wir uns auf einigen Exkursionen immer mal wieder die Füße vertreten. Wir besuchten beispielweise den Lesopark und das Klärwerk in Charkiv.
In der ganzen Zeit in der Ukraine hatten wir die ganz besondere Gelegenheit während des Seminars und in der Gastfamilie die ukrainische Lebensart und Kultur kennen zu lernen, uns auszutauschen und viel Neues zu erfahren.
Für diese Möglichkeit möchte ich mich bei den Organisatoren, vor allem bei Ella und bei André, als auch bei allen ukrainischen und deutschen Teilnehmern bedanken.
Es war eine tolle Zeit. Vielen Dank!
Lisa Schäder, Freiwilliges Ökologisches Jahr