Bund Naturschutz kritisiert Fällung von über 100 Bäumen
für den Neubau der U-Bahnlinie 3 zum Nordwestring: Dauerhafte
Entgrünung der Nordstadt Plädoyer für den Erhalt der
Straßenbahn
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Auch der Weiterbau der U3 bis zum Nordring scheint sich für die Anwohner
der leidgeprüften Nordstadt zu einem dauerhaften Einschnitt zu entwickeln.
Wie auch an dem Mitte Juli stattgefundenen Erörterungstermin klar wurde,
sind nicht nur die Belastungen durch Lärm und Staub während der
Bauzeit immens. Vor allem die Vernichtung wertvollen Grüns wird sich
langfristig negativ auf die Wohnqualität der Nordstadt auswirken. 122
Bäume sollen laut Planunterlagen der U-Bahn-Trasse zum Opfer fallen. Dabei
befürchten die Naturschützer noch wesentlich größere
Schäden. Nach den Erfahrungen der BN-Ortsgruppe "Nord-Ost-Stadt" werden
manchmal auch zur Erhaltung vorgesehene Bäume gefällt. Andere
Gehölze werden durch die Baumaßnahmen so stark geschädigt, dass
sie frühzeitig absterben.
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Umso kritischer sieht der BN die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen. Dabei
wird nicht nur der Ersatz von alten Baumriesen durch junge Bäume
bemängelt, die erst in Jahrzehnten eine ähnliche Funktion
erfüllen können. Insbesondere der Ausgleich am reich begrünten
Silberbuck bei Langwasser ist stadtökologisch widersinnig.
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So wird die Nordstadt nachhaltig entgrünt, ohne dass Bürger an anderer
Stelle der Stadt einen merklichen Zugewinn an Grün haben.
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Die Forderungen des Bundes Naturschutz an Politik und Verwaltung sind daher umso
klarer:
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1. Die Eingriffe in den Gehölzbestand müssen soweit wie möglich
reduziert werden.
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2. Für die gefällten Altbäume müssen deutlich mehr
Jungbäume als Ersatz gepflanzt werden. Etwa 200 neue Bäume können
aus Sicht des BN den Eingriff gerade aufwiegen.
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3. Alle Ersatzpflanzungen müssen zwingend im Bereich der Nordstadt
erfolgen. Hier sind genügend baumfreie Straßenschluchten vorhanden,
wie die "Projektgruppe Straßenbäume" des BN eindeutig dokumentiert
hat. Unsinnige Ausgleichsmaßnahmen in optimal durchgrünten Bereichen,
wie dem Silberbuck, sind abzulehnen. Ein solcher Ausgleich im Rahmen des so
genannten "Ökokontos" zeigt eindringlich die Absurdität dieses
umweltpolitischen Instruments.
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4. Die Schutzmaßnahmen für den übrigen Gehölzbestand sind
strikt einzuhalten und zu überwachen. Insbesondere die Grundwasserabsenkung
ist im Auge zu behalten. Geschädigte Bäume müssen zusätzlich
ersetzt werden.
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Nürnbergs ÖPNV-Vorteil: Die Straßenbahn
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Grundsätzlich stellt der BN den U-Bahnbau in Nürnberg in Frage und
plädiert für eine Renaissance der Straßenbahn. Die Vernichtung
wichtiger Straßenbahntrassen wie der Linie 9 muss unterbleiben. Gerade im
Zeichen der Wirtschaftskrise stellt die Straßenbahn das Verkehrsmittel der
Zukunft, da sie in Bau und Betrieb deutlich kostengünstiger ist. Man kann
nicht einfach beliebig Straßenbahnlinien einstellen, weil sie eine
hypothetische Konkurrenz zur U-Bahn darstellen. Dadurch wird das komplette
Straßenbahnnetz in seiner Funktionsfähigkeit geschwächt und im
Bestand gefährdet. Nürnberg gewinnt aber gerade durch das oberirdische
Straßenbahnnetz und hat damit einen verkehrspolitischen Vorteil zu anderen
Großstädten.
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Bildunterschrift: Fast wie ein kleiner Wald wirken manche Gehölze entlang
der U-Bahn-Trasse
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Foto: Franz Stryz
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Wolfgang Dötsch, Diplom-Biologe
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