Artikel im Mauersegler Nr. 2/2009 
  Roundup – eine runde Sache?
 

Will's der passionierte Feierabendgärtner "sauber" haben in Garten und den lieben Pflasterfugen, so gelangt er bei einer kurzen Internet-Recherche sehr schnell zu einem vielgepriesenen Allheilmittel: Roundup. Dass dieses auf der eigenen Internetseite als umweltschonend bezeichnet wird, lässt auch das grüne Gewissen beruhigt weiterlesen.
Roundup ist ein geschützter Markenname des Konzerns Monsanto. Unter www.roundup.de erfährt man, dass Roundup-Produkte zur Gruppe der systematischen Herbizide zählen, die nicht nur am Ort der Aufnahme wirken, sondern in sämtliche Pflanzenzellen verteilt werden.
Roundup-Produkten liegt der Wirkstoff Glyphosat zugrunde, der unspezifisch bei fast allen grünen Pflanzen einen herbiziden Effekt hervorruft.
Jetzt sollte mein Nachbar mit dem schönen sauberen Garten das erste Mal stutzen: fast alle grünen Pflanzen?
Es ist ein Vollherbizd, ein Universalunkrautvernichter. Man kriegt`s in jedem Gartencenter und los geht`s. Wer liest schon das Kleingedruckte, das besagt, dass es nicht verwendet werden darf auf nicht versiegelten Flächen mit Befestigung, an Flächen, die mit Pflaster o.ä. versiegelt sind oder Flächen, bei denen die Gefahr einer Abschwemmung droht.
Doch wer zupft gerne Unkraut aus den Fugen, wenn er das Pflaster schön sauber haben will?
Aber was ist mit den schönen Blumen und Gemüse, das mühsam gezogen wurde? Vollherbizid bedeutet ALLES...
Und wo man grad schon beim Surfen ist, liest man ein bisschen weiter. In der Landwirtschaft wird´s verwendet, um Felder vor einer Neuansaat von Unkraut oder konkurrierenden Pflanzen in der Fruchtfolge zu befreien.
Roundup ist eng verknüpft mit den von Monsanto entwickelten genveränderten Nutzpflanzen (z. B. Soja, Mais, Baumwolle). Diese enthalten ein Bakteriengen, das sie gegen Roundup schützt, so dass andere Herbizide weniger eingesetzt werden müssen – zumindest theoretisch; beobachtet wird allerdings eine zunehmende Resistenz von Unkäutern gegen Roundup, so dass noch größere chemische Keulen erforderlich werden.
Genau dieses von Kritikern vorhergesagte Phänomen wird z. T. schon in südlichen US-Bundesstaaten beobachtet. Ein neuer Schädling, das Schweineunkraut, droht die Baumwolle- und Sojabohnenfelder in Unkraut- Schlachtfelder zu verwandeln. Hier erfolgt teilweise bereits eine Rückkehr zu konventionellen Kulturpflanzen, bei denen Landwirte nicht auf eine Kombination von Roundup mit einem High- Tech-Saatgut angewiesen sind. Auch in Argentinien, Brasilien und sogar in Australien wachen Landwirte allmählich auf.
Was erfährt man noch?
Roundup ist für Kaulquappen hochgiftig und kann trotz Anwendung auf Pflanzen in die Lebensräume von Fröschen und anderen Amphibien gelangen. Die Chemikalie kann innerhalb von drei Wochen 98 % aller Kaulquappen und innerhalb von einem Tag 79 % aller Frösche töten. Man erfährt, dass nicht Glyphosat für die toxische Wirkung auf Lebewesen verantwortlich ist, sondern Tallowamin, ein zusätzlicher Wirkstoff, der die Aufnahme über die Blätter ermöglicht.
Und was für Tiere so schädlich ist, soll für uns Menschen also ungefährlich sein?
Studien von Wissenschaftlern in Argentinien und Frankreich ergaben, dass Glyphosat nicht nur bei Amphibien, sondern auch bei Menschen zu schweren Embryonalschäden führt. Verkleinerte Köpfe, genetische Zell-Veränderungen im zentralen Nervensystem und deformierte Knochen und Knorpel seien regelmäßige und systematische Folgen von Glyphosat. Man könne mit Sicherheit annehmen, dass ähnliche Effekte auch bei Menschen aufträten. In einer Studie aus Frankreich wurde herausgefunden, dass neben Glyphosat im Roundup enthaltene Substanzen in geringen Mengen zum Absterben menschlicher Zellkulturen führten. Für Zellschädigungen (vollständiges Zellsterben in 24 Stunden bei 100.000-facher Verdünnung) sind Konzentrationen ausreichend, die typischerweise als Rückstand in mit Roundup behandelten Gentechnikpflanzen zu erwarten sind – und die wir aufnehmen, wenn wir – bewusst oder unbewusst – gentechnisch veränderte Lebensmittel zu uns nehmen.
Und, wie wichtig sind nun saubere Pflasterfugen??
Regina Jagusch, Redaktion Mauersegler