Artikel im Mauersegler Nr. 2/2008 
  Geplanter Nationalpark Steigerwald
 

Am 19. April fand eine gemeinsame Exkursion der Kreisgruppen Nürnberg und Fürth in interessante Waldgebiete des Steigerwaldes statt unter fachkundiger Leitung des BN-Waldreferenten Dr. Ralf Straußberger.
Hier nun einige Betrachtungen dazu:
Wer je die majestätischen Waldbilder gesehen hat, die sich einem in forstlich nicht bewirtschafteten Naturwaldreservaten im Steigerwald, Spessart oder anderen Buchenwäldern Deutschlands (z. B. Nationalparks Hainich/Thüringen oder Kellerwald/Hessen etc.) bieten, der bekommt erst eine Ahnung davon, was Wälder bei uns eigentlich wären: ungeheuer artenreiche und sehr ästhetische, ja mystische Lebensräume!
Mächtige, bemooste Buchen mit unglaublichen Stammdurchmessern, stehendes und liegendes Totholz in allen Stadien des Zerfalls, besiedelt von Baumpilzen, Flechten und Moosen aller Art sowie weit über Tausend holzbewohnende Arten, vom extrem seltenen Eremitenkäfer über sämtliche Spechtarten bis zu fast allen bei uns heimischen Fledermausarten sowie Waldkäuze und Eulen. Auch Wildkatze und Luchs fühlen sich in solchen unbewirtschafteten Wäldern erst wohl. Kurz: Die Artenvielfalt in Naturwaldreservaten explodiert förmlich! Dies wären die Keimzellen eines künftigen Nationalparks.
Vogel im Steigerwald
Das, was der Durchschnittsbürger als "Wald" kennt und für normal hält, ist in Wahrheit trotz Bemühungen zur naturgemäßen Waldwirtschaft meist nichts weiter als ein besserer "Holzacker", in dem Bäume grundsätzlich schon in ihrer Jugendphase geerntet werden. Es sind struktur- und artenarme Forste, noch dazu oftmals mit nicht standortgerechter Baumartenzusammensetzung. Warum werden denn die roten Listen der bedrohten Arten bei uns immer länger?
Neben der Intensiv-Landwirtschaft und der Zersiedelung war und ist die Forstwirtschaft eine Hauptursache für den Rückgang der Biodiversität. Es fehlen einfach die alten, ökologisch besonders wertvollen reifen Wälder, die nicht zuletzt durch ihre 4-fach höheren Holzvorräte pro Hektar und ihre humusreichen Böden als "Kohlenstoff-Senken" dem Klimawandel entgegen wirken. Durch die fortschreitende Mechanisierung, Personalabbau und die Erhöhung des Holzeinschlags seit der Forstreform wird sich der Negativ-Trend noch verstärken. Deshalb sind größere geschützte Waldgebiete, die völlig aus der Nutzung genommen werden, so wichtig! Nur Nationalparks bieten das nötige Instrumentarium dazu.
Rotbuchenwälder wachsen weltweit nur in Mitteleuropa. Gerade Deutschland trägt als zentrales Hauptverbreitungsgebiet der Rotbuche daher international eine besondere Verantwortung für diesen Waldtyp. Selbst im Nürnberger Reichswald war die Buche einst weit verbreitet. Bayern war ursprünglich zu 85 % mit Buchenwäldern bedeckt. Heute sind sie auf einen kümmerlichen Rest von 4,5 % ihres natürlichen Areals zurückgedrängt worden und auch dort fast nur in Form junger, "aufgeräumter" Forste.
Gerade der nördliche Steigerwald bietet aufgrund seiner noch naturnahen und kaum zerschnittenen Waldbestände und seiner relativ dünnen Besiedelung beste Voraussetzungen für den dritten bayerischen Nationalpark! Dort wurden die Altbuchenbestände nicht wie sonst vielerorts zugunsten von Nadelholzforsten abgeholzt, sondern sind bis heute erhalten geblieben.
Der Widerstand der lokalen Bevölkerung beruht auf unbegründeten Ängsten und Unwissenheit:
1. Die Angst vor Brennholzknappheit ist unbegründet, da erstens nur etwa 10 % des Steigerwaldes (ca. 11.000 ha) zum Nationalpark erklärt werden sollen und zweitens Privatwaldbesitzer nicht betroffen sind, da ausschließlich Staatsforstflächen zur Disposition stehen. Zudem würde nicht die gesamte Nationalparkfläche aus der Nutzung genommen werden.
2. Die Angst vor der Ausbreitung des Borkenkäfers ist unbegründet, da dieser nur die Fichte befällt, nicht aber Laubwälder wie im Steigerwald. Auch ohne den "pflegenden" Eingriff des Menschen haben Wälder seit Jahrmillionen sehr gut überlebt.
Stattdessen sollte die Chance gesehen werden, die ein Nationalpark auch in wirtschaftlicher Hinsicht bietet, vor allem im Fremdenverkehr. Andere Nationalparks machen es vor.
Niemand wird bestreiten, dass der Wald als Holzlieferant gerade auch in Zeiten steigender Preise für Erdgas und Öl eine wachsende Bedeutung erfährt, und dies ist ja auch ökologisch sinnvoll. Aber es muß doch einem vergleichsweise reichen Land wie Deutschland möglich sein, auf einem winzigen Bruchteil seiner Fläche (derzeitiger Anteil von Nationalparks an der deutschen Gesamtfläche 0,6 %) die Schöpfung in seiner ursprünglichen Form für die Nachwelt zu bewahren!
Auch der Genuß von intakter, ursprünglicher Natur ist eine Form von Wohlstand! Es bleibt zu hoffen, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass der Steigerwald als einer der wenigen hochwertigen Buchenwälder Deutschlands geschützt und für die Nachwelt erhalten werden muß.
Oliver Schneider
2. Vorsitzender
Bund Naturschutz
Kreisgruppe Nürnberg