Artikel im Mauersegler Nr. 2/2007 
  Projektgruppe Straßenbäume
 

Straßenbäume brauchen eine Lobby

Baumpaten gefunden
Für die Projektgruppe Straßenbäume ist das Jahr 2006 recht erfolgreich verlaufen: Unser Schwerpunktthema war eine Werbeaktion, um Baumpaten zu gewinnen. Zu diesem Zweck haben wir eine Broschüre mit konkreten Tipps für die Bepflanzung und Pflege von Baumscheiben erstellt und diese gezielt in ausgewählten Straßen in der Kernstadt verteilt. Begleitet wurde die Aktion "Baumpaten gesucht" durch Informationen an die Presse. Die Resonanz war erfreulich: Es gab viele Rückmeldungen und nach ersten Informationen aus dem Gartenbauamt ist die Zahl der registrierten Baumpaten im letzten Jahr von 500 auf etwa 600 angestiegen. Das offensichtliche Interesse der Bürger ermutigt uns, die Aktion in diesem Jahr fortzusetzen und zusätzliche Zielgruppen anzusprechen.
Verwaiste Baumstandorte
Fantasievoll gestaltete Baumscheibe in Maxfeld
Fantasievoll gestaltete Baumscheibe in Maxfeld
Foto: B. Paulus
Ein weiteres Thema, das uns seit Jahren beschäftigt, sind die so genannten verwaisten Baumstandorte. Jedes Jahr gehen in der Stadt durch Baumaßnahmen, Unfälle, mangelnde Pflege oder natürlichen Abgang mehr als 100 Straßenbäume verloren. Übrig bleiben leere Baumscheiben (verwaiste Standorte), die, wenn sie nicht bald wiederbepflanzt werden, anderweitig genutzt werden oder gänzlich verloren gehen. Vom Stadtrat wurde vor drei Jahren auf unsere Initiative hin ein "100-Bäume-Programm" (pro Jahr) zur Wiederbepflanzung verwaister Standorte in der Kernstadt beschlossen, das aber offensichtlich nicht ausreicht, um die bestehenden Lücken zu schließen. Denn mittlerweile gibt es rund 750 verwaiste Standorte in der Stadt. Der Nürnberger Stadtrat hatte ein Einsehen und hat im Zuge der Haushaltsberatungen für 2007 zusätzliche Mittel in Höhe von 126.000 Euro bewilligt. Damit können ca. 100 weitere Bäume gepflanzt werden. Es bleibt zu wünschen, dass auch für die kommenden Jahre ausreichende Mittel vom Stadtrat bewilligt werden, um sukzessive alle offenen Baumscheiben wieder zu bepflanzen.
Mehr Geld für die Baumpflege
Ein kurzer Spaziergang durch die Stadt genügt, um festzustellen, dass die meisten Straßenbäume und Baumscheiben in einem miserablen Zustand sind. Das liegt daran, dass die Mittel des Gartenbauamtes schon seit mehreren Jahren nur noch für Maßnahmen der Verkehrssicherheit und der Unfallverhütung reichen. Für die eigentliche Baumpflege, d.h. Baumschnitt, Pflege der Baumscheibe und die Wässerung der Bäume in Zeiten extremer Trockenheit, stand praktisch kein Geld zur Verfügung. Auch in diesem Punkt hat der Stadtrat nachgebessert und für 2007 zusätzlich 150.000 Euro bewilligt. Wir sehen dies als Einstieg in eine künftig ausreichende Finanzierung des Baumunterhalts, denn bei einem Bestand von rund 24.000 Straßenbäumen in Nürnberg reicht diese Summe nicht aus.
Highlight zum Jahresende
Ein weiteres kleines Erfolgserlebnis konnte die Projektgruppe noch zum Jahresende 2006 verbuchen: Um die Restmittel aus dem "Agenda 21-Topf" wurde ein Wettbewerb durchgeführt. Mit 8.700 Euro haben wir den Löwenanteil für uns sichern können. In Abstimmung mit dem Gartenbauamt werden hierfür 5 bis 10 Bäume auf verwaisten Standorten gepflanzt.
Nürnberg braucht mehr Straßenbäume
Trotz der erfreulichen Fortschritte im letzten Jahr bleibt ein Hauptproblem bestehen: In Nürnberg gibt es insgesamt zu wenig Straßenbäume! Insbesondere bestehen Defizite innerhalb der dicht besiedelten Kernstadt (Gebiete innerhalb des mittleren Ringes). Hier gibt es kilometerlange Straßenzüge ohne jegliches Grün und ohne Bäume. Mit unserer Forderung nach einer systematischen Bestandsaufnahme, einer Mehrjahresplanung und entsprechenden Haushaltsansätzen zur Behebung der auch von der Umweltverwaltung und der Politik anerkannten Defizite konnten wir uns bisher leider nicht ausreichend Gehör verschaffen.
P.S. Die Projektgruppe "Straßenbäume" freut sich immer über neue Mitstreiter. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, Tel. (0911) 45 76 06 oder info@bund-naturschutz-nbg.de.
Mathias Schmidt (Projektgruppe Straßenbäume)

Bäume suchen Freunde

Bäume haben auch Durst. Unter diesem Motto bepflanzte der Bund Naturschutz im letzten Sommer mit einer Kindergruppe des städtischen Horts in Katzwang drei kleine Baumscheiben, für die wir eine Patenschaft übernommen haben. Trotz Nachmittagsverkehr, Hitze und endlosen Bergen von Rindenmulch arbeiteten die Kinder begeistert mit. Nach der Bepflanzung dekorierten sie die Flächen mit Steinen und Fähnchen, um Passanten auf die schwierige Situation der über 20.000 Nürnberger Straßenbäume, die unter Wassermangel und Müll leiden, aufmerksam zu machen. Leider hatten unsere drei kleinen Linden bereits vor der Aktion ziemliche Schäden durch Trockenheit erlitten.
Deshalb die Bitte an alle: Kümmern Sie sich um Stadtbäume in Ihrer Nähe. Speziell im nicht gerade vom Grün verwöhnten Bereich der Innenstadt bieten die großen Baumscheiben am Straßenrand willkommene Gestaltungsmöglichkeiten. Durch naturnahe, robuste Unterbepflanzung wie Wildkräuter und Stauden werden die Baumscheiben zu kleinen Grünoasen in der tristen Innenstadt. Aber seien Sie nicht frustriert, wenn die eingesetzten Pflanzen nicht sofort richtig gut gedeihen, sondern säen und pflanzen Sie bei Lücken nach. Offizielle Baumpaten erhalten von der Stadt einen Zuschuss zur Bepflanzung. Informationen über den ökologischen Nutzen sowie fachliche Tipps gibt es in der Broschüre "Baumpaten gesucht", erhältlich in der BN-Geschäftsstelle. Auch wenn Sie nicht gleich eine Patenschaft übernehmen möchten, können Sie den Bäumen helfen: Gießen Sie an heißen Tagen ein paar Eimer Wasser an die Bäume in Ihrer Umgebung. Falls Sie selbst aktiv sind oder werden wollen, teilen Sie uns doch Ihre Erfahrungen mit:
Ansprechpartner in der Ortsgruppe:
Renate Schumann, Tel. (0911) 883881
Monika Krumbach, Tel. (09122) 77601
Artur Lampmann, Tel. (0911) 883881
bzw. Projektgruppe Straßenbäume: Mathias Schmidt, Tel. (0911) 457606
Monika Krumbach (Ortsgruppe: Der Nürnberger Süden)
Kinder gestalten eine Baumscheibe
Kinder gestalten eine Baumscheibe mit neuen Pflanzen
Foto: D. Krumbach