Artikel im Mauersegler Nr. 2/2007 
  BN informiert
 

Schmausenbuck – endlich europäisches Naturschutzgebiet!

FFH-Gebiet "Tiergarten Nürnberg mit Schmausenbuck"
Nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU (FFH) wurden in Nürnberg einige besonders wertvolle Flächen als europäisches Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das neue Flora-Fauna-Habitat-Gebiet "Tiergarten Nürnberg mit Schmausenbuck" umfasst eine Fläche von insgesamt 613 Hektar, davon ca. 570 Hektar Wald. Das Gebiet ist Teil des Lorenzer Reichswaldes und beginnt im Westen mit dem Wald an der Siedlerstraße, umfasst den Tiergarten und den Schmausenbuck (sämtlich Stadtgebiet Nürnberg) sowie den Höhenzug des Schmausenbucks mit dem Hirschenkopf bis zu den Forstabteilungen "Rote Marter" und "Drei Hutbuchen" im Osten.
Die meisten Flächen gehören dem Freistaat Bayern (Staatsforst), weitere Grundstückseigentümer sind die Stadt Nürnberg (Tiergarten) und die N-Ergie.
Der geologische Aufbau des Gebietes besteht aus den Sandsteinen und tonigen Zwischenlagen vom Coburger Sandstein bis zum Oberen Burgsandstein.
Sandsteine aus dem Schmausenbuck und den angrenzenden Höhenzügen wurden über Jahrhunderte in vielen Steinbrüchen abgebaut und fanden als Bau- und Werksteine in Nürnberg Verwendung. Die aufgelassenen Steinbrüche tragen besonders zur Strukturvielfalt des Gebietes bei.
Frauenschuh
Verstecktes Juwel am Schmausenbuck – Frauenschuh
Foto: W. Dötsch
Viele alte Eichen und Buchen prägen das Landschaftsbild des vor allem von Kiefern aufgebauten Nadelwaldes, der sich in den letzen Jahrzehnten zum naturnahen, laubholzreichen Mischwald entwickeln konnte.
Besonders die Bestände an alten Bäumen, die vielfach auf den staunassen Lettenzwischenlagen wachsen, sind Lebensräume für die prioritären Tierarten, deren Vorkommen zur Ausweisung des FFH-Gebietes geführt hat. Die sehr seltene Käferart Eremit und die Bechstein-Fledermaus sind auf die morschen Höhlen der alten Laubbäume angewiesen. Neben diesen wichtigen Arten sind viele weitere Tier- und Pflanzenarten am Schmausenbuck zu Hause, die den besonderen Reiz des Gebietes ausmachen. Durch das Alteichenprojekt des BN konnten in diesem Bereich viele weitere Totholz bewohnende Käfer, aber auch der Hirschkäfer nachgewiesen werden. Als weitere bedeutende Tierart kommen Gelbbauchunken im FFH-Gebiet vor, ebenso der Frauenschuh, der räumlich eng begrenzt an kalkhaltige Zwischenlagen im Oberen Burgsandstein gebunden ist.
Für eine fachgerechte Pflege des Gebietes wird unter Leitung der Ämter für Landwirtschaft und Forsten Roth und Fürth ein Managementplan erstellt, an dessen Ausarbeitung die Grundstückseigentümer, Verbände (auch der Bund Naturschutz), Vereine und Fachbehörden beteiligt werden.
Dr. Doris Heimbucher (Dipl. Biologin)
Dr. Otto Heimbucher (Dipl. Geologe)