Artikel im Mauersegler Nr. 2/2007 
  Hornissen
 

Neue Kaserne für gestreiftes Kampfgeschwader

Problematische Hornissenvölker werden in BN-Biotope umgesiedelt
Der Schreck ist groß: Mit deutlichem Brummton fliegen Hornissen direkt über der Eingangstüre. Während die Familie ihren Urlaub im Süden verbrachte, haben die Tiere schon ein ansehnliches, ockerfarbenes Nest gebaut. Für die entsetzten Hausbewohner steht fest: Das Volk muss bald verschwinden.
Zwar gehören Spruchweisheiten wie "drei Hornissenstiche töten einen Menschen" ins Reich der Fabel (Hornissenstiche sind kaum gefährlicher als Wespenstiche), doch an manchen Stellen ist eine friedliche Koexistenz von Homo sapiens und Hornisse einfach nicht möglich.
Schade, denn die Hornisse (Vespa crabro) steht nicht nur unter Naturschutz, sie ist auch ausgesprochen nützlich. Ein ausgewachsenes Hornissenvolk fängt täglich so viele Insekten, wie fünf Meisenpärchen an ihre Jungen verfüttern.
Früher war die Untermiete in Häusern und Schuppen ein sicheres Todesurteil für ein Hornissenvolk. In den seltenen Fällen, in denen Hornissen Menschen tatsächlich akut gefährden, kann das Volk jetzt auch umgesiedelt werden. In Nürnberg gibt es mittlerweile einen Experten, der diese schwierige Aktion perfekt beherrscht. Zuerst wird dabei das gesamte Volk samt Königin mit einem Staubsauger eingefangen. Dann muss das Nest sorgsam in einen speziellen Nistkasten umgesetzt werden. Jede größere Beschädigung des fragilen Papiergebildes, aus dem die Brutstätte besteht, kann die Umsiedlung gefährden. Anschließend wird der Nistkasten mit dem Volk in ein geeignetes Biotop umgesetzt.
Der Bund Naturschutz hat dafür seit 2005 etliche seiner Biotopflächen zur Verfügung gestellt. In einem Fall wurde ein leerer Nistkasten auch schon von selbst wieder besiedelt. Vielleicht hat hier eine Jungkönigin der einstigen "Asylanten" Gefallen an der BN-Fläche gefunden.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der Unteren Naturschutzbehörde, Tel. (0911) 231-3172 oder (0911) 231-3657. Hier muss auch eine Umsiedlung der geschützten Tiere beantragt werden.
Wolfgang Dötsch, Dipl.-Biologe (Geschäftsführer)
Hornissen
Hornissen
Hornissen – friedliche Bewohner der Goldbachwiese  Fotos: H. Schirmer