Artikel im Mauersegler Nr. 2/2007 
  BN informiert
 

Alte Eichen – ein "Hot Spot" der Artenvielfalt im Nürnberger Reichswald

Alte Laubbäume gelten aufgrund ihrer Strukturvielfalt aus jungen und lebenden Holzpartien sowie Totholzbereichen verschiedener Zersetzungsstadien als Orte höchster Artenvielfalt – bis zu 1.000 verschiedene Tierarten können an sehr alten Eichen leben. Gerade im Reichswald konnten im Auftrag des BN schon viele geschützte, Totholz bewohnende Käferarten nachgewiesen werden. Besonders erfreulich sind die Funde des Eremiten oder Juchtenkäfers, eines nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat- Richtlinie streng geschützten Insekts. Deshalb setzt sich der Bund Naturschutz Nürnberg seit Jahren für den Schutz alter Eichen im Reichswald ein und engagiert sich auch bei der Erforschung des Lebensraums Alteiche.
In diesem Zusammenhang ist auch die hier vorgestellte Untersuchung zu Verteilung und Vorkommen von Alteichen im Reichswald zu sehen, die nur mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds möglich war. Ziel war es, die wertvollsten Alteichenbestände zu ermitteln und zu prüfen, ob die Alteichenvorkommen miteinander vernetzt sind und so einen stabilen Lebensraum für die seltenen Eremiten oder Rosenkäfer bilden.
Heute sind 4,5 % der Bäume im Reichswald Eichen. Die Eichenvorkommen sind jedoch nicht gleichmäßig verteilt: Der Sebalder Reichswald weist den höchsten Eichenanteil auf. Der Südliche Reichswald, vom Tal der Schwarzach bis in den Raum Allersberg und Roth, ist sehr arm an Eichenvorkommen. Für die seltenen Käfer eignen sich vor allem trockene und somit warme Standorte und die Bäume sollten mehr als 150 Jahre alt sein, um passende Mulmhöhlen bieten zu können.
Krone einer alten Traubeneiche am
        Schmausenbuck
Krone einer alten Traubeneiche am Schmausenbuck
Foto: Dr. G. Brunner
Im Lorenzer und Sebalder Reichswald liegt der Anteil trockener Eichenbestände an der Gesamtfläche zwischen 2,8 und 3,5 %. Ermittelt man den Anteil der Eichen mit einem Alter über 150 Jahre, so ergibt dies ca. 0,6 % der gesamten Reichswaldfläche. Die Bestände mit einem Alter über 200 Jahre sind extrem selten.
Wertvolle Alteichengebiete im Nürnberger
        Reichswald
Karte zur Vergrößerung bitte anklicken
Karte: Brunner & Künzel
Die Situation im Südlichen Reichswald stellt sich noch ungünstiger dar. Der Flächenanteil trockener Eichenbestände, die 150 Jahre oder älter sind, beträgt nur 0,03 %. Allerdings muss einschränkend bemerkt werden, dass die großen privaten Waldbesitzer im Süden (z. B. Faber-Castell) die Auswertung ihrer Forste nicht zuließen. Erhebungen der bayerischen Forstverwaltung haben zusätzlich 1.477 einzeln stehende Alteichen (über 110 Jahre alt) erfasst.
Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass nur in einem schmalen Band im Sebalder Reichswald vom Irrhain über den Buchenbühl und Haidberg, im Lorenzer Reichswald vom Schmausenbuck bis zum Brunner Berg sowie im Bereich Glasersberg/Wernloch Gebiete mit einer zufrieden stellenden Dichte an Alteichen vorhanden sind. Im Südlichen Reichswald existiert kein größeres Gebiet, das als stabiler Lebensraum für Alteichen bewohnende Tierarten bezeichnet werden kann.
Deshalb formuliert der Bund Naturschutz drei Empfehlungen:
Die 68 Hektar Waldfläche (von insgesamt mehr als 35.000 Hektar) mit wertvollsten Alteichen sind aus der Bewirtschaftung zu nehmen und die Bäume sollen ungestört altern (in der Karte rote und rosa Flächen).
Zusätzlich müssen die ca. 150 Hektar an Eichenvorkommen, die zwischen 100 und 150 Jahre alt sind, hin zu reifen Eichenbeständen entwickelt werden (in der Karte orange Flächen).
Auf weiteren 3,5 % der Fläche des Reichswaldes steht mindestens eine Alteiche auf einer Fläche von 2 Hektar (in der Karte gelbe Flächen). Hier ist das längerfristige Überdauern vereinzelter Populationen möglich. Dieses Netz sollte in der Fläche ausgedehnt werden.
Werden diese Empfehlungen nicht umgesetzt, so müssen die Vorkommen der seltenen Tierarten auf Eichen im Reichswald als isolierte Einzelvorkommen betrachtet werden, die mit dem Absterben der Altbäume dann unwiederbringlich verloren gehen. Schon jetzt sind 96 % der Reichswaldfläche ohne knorrige Alteichen!
Die hier vorgestellte Untersuchung wurde unter Mitarbeit von Florian Künzel erstellt.
Dr. Gerhard Brunner (Dipl.-Biologe)