Artikel im Mauersegler Nr. 1/2009 
  Aus für Kiebitz und Feldhase
 

Das Tiefe Feld soll teilweise bebaut werden – damit verschwindet der letzte landschaftliche Freiraum in Nürnbergs Westen

Wohnen im Verkehrschaos
Von Südwesttangente und Rothenburger Straße donnert der Verkehrslärm, immer wieder zieht ein Güterzug scheppernd vorbei. Das Tiefe Feld bei Kleinreuth ist alles andere als eine Wohnidylle.
1996 beurteilte die Stadt Nürnberg den Standort folgerichtig noch mit den Schlagworten Lärm, Geringe Naherholungskapazität und Hoher Grad der Zerschneidung. Trotzdem soll im nördlichen Teil des Tiefen Feldes nun ein Baugebiet für Wohnen und Gewerbe entstehen. Die Erschließung soll dabei über das "bestehende, stark belastete Verkehrsnetz" erfolgen (Flächennutzungsplan Nürnberg).
"Kleines Knoblauchsland" im Westen
Doch das Tiefe Feld hat gerade der Natur viel zu bieten. Als letzter großer landwirtschaftlicher Freiraum in Nürnbergs Westen ist es Heimat zahlreichen gefährdeten Tieren der Kulturlandschaft. Der ehemalige Vogelwart der Stadt Nürnberg fand hier noch 13 Brutpaare vom Kiebitz, sechs Rebhuhnpaare und drei Brutpaare der Schafstelze. Das Arten- und Biotopschutzprogramm der Bayerischen Staatsregierung sieht deshalb im Tiefen Feld einen "Bedeutsamen Lebensraum für Brutvögel". Auch Feldhasen kann man in der Flur noch häufig entdecken. Eine Art kleines Knoblauchsland hat sich so zwischen dem Gewerbeflächenwust des Nürnberger Westens erhalten. Seit langem setzt sich daher der BN für den Erhalt des Tiefen Feldes ein. Auch in seiner Stellungnahme zum Flächennutzungsplan hat der Naturschutzverband die Zerstörung des Tiefen Felds vehement abgelehnt.
Grünflächen Fehlanzeige
Denn die Bebauung ist eindeutig ein Produkt der Not. Obwohl man sich kaum einen unattraktiveren Standort für Wohnen vorstellen kann, bleiben der Stadt im Westen kaum potenzielle Flächen. Auch der Weiterbau der U3 kann das Baugebiet kaum aufwerten. Notwendig wären für ein Wohngebiet an dieser Stelle vielmehr umfangreiche Grünflächen. Die Äcker, ein Paradies für Kiebitz & Co, haben den Menschen dagegen keine Erholungsqualität zu bieten. Gerade auf die Grünflächen wurde aber im aktuellen Entwurf verzichtet. Diesen Grüngürtel im Süden der Bebauung sieht zwar der Flächennutzungsplan vor, doch seine Realisierung scheint angesichts der Bodenpreise und der leeren städtischen Kassen utopisch.
Das Fazit des BN ist daher eindeutig:
Wer den Menschen im Tiefen Feld ein lebenswertes Umfeld schaffen will, muss umfangreiche Grünflächen vorsehen. Auch ein großspurig angekündigter Architektenwettbewerb kann die Mängel nicht beheben. Bei der jetzigen Bevölkerungsentwicklung ist die geplante Bebauung des Tiefen Felds auch langfristig nicht zeitgemäß. Der Erhalt der Landwirtschaft im Tiefen Feld ist dagegen ein nachhaltiges Modell, damit sich dort auch in Zukunft Fuchs und Feldhase noch gute Nacht sagen können.
Bildunterschrift: Weite Landschaft in Nürnbergs Westen – das Tiefe Feld  Foto: Foto: W. Dötsch
Wolfgang Dötsch (Diplom-Biologe, Geschäftsführer)