Artikel im Mauersegler Nr. 1/2009 
  Projektgruppe Straßenbäume
 

Die Projektgruppe Straßenbäume wurde 1992 vom Bund Naturschutz in Nürnberg gegründet. Seit 1998 arbeiten wir in der "Agenda 21" im Rahmen der ökologischen Stadtplanung mit.
Ausgangspunkt für die Gründung der Gruppe war die Überlegung, dass die Lebensqualität für die Bewohner in unserer Stadt sehr wesentlich von ihrem unmittelbaren Wohnumfeld abhängt und dass hierzu möglichst viel Grün, insbesondere Straßenbäume gehören.
Unbestritten ist, dass es in Nürnberg (das hat auch ein Städtevergleich mit zehn deutschen Großstätten ergeben – Nürnberg rangiert auf dem letzten Platz!) viel zu wenige Straßenbäume gibt.
Und: Die wenigen werden schlecht bis gar nicht gepflegt. Tausende von Baumscheiben machen einen verwahrlosten Eindruck. In heißen Sommern werden die Bäume nicht mit ausreichend Wasser versorgt.
Schließlich: In Nürnberg werden zu viele Straßenbäume gefällt und zu wenige nachgepflanzt. Wertvolle Baumstandorte gehen so verloren.
Deshalb engagiert sich die Projektgruppe Straßenbäume für mehr Straßenbäume und für eine bessere Baumpflege. Als Lobbyisten für Straßenbäume führen wir öffentliche Aktionen durch, bemühen uns um Einflußnahme auf Politik und Verwaltung und werben bei Bürgern, Verbänden und Unternehmen für unser Anliegen. Einer unserer Ansätze ist die Baumpaten-Werbung.
SÖR – Service Öffentlicher Raum
Seit 01.01.2009 existiert diese neue Eigengesellschaft der Stadt Nürnberg. Das Gartenbauamt ist in diese neue Gesellschaft integriert worden. SÖR ist damit künftig auch für die Straßenbäume in der Stadt zuständig. Bei den vielen Aufgaben, die SÖR jetzt hat, hoffen wir sehr, dass die Straßenbäume nicht "unter die Räder geraten"!
Bei allem Streben nach Effizienz und Synergien wird es ohne mehr Mittel und Personal für die Baumpflege, Neupflanzungen und Ersatzpflanzungen nicht möglich sein, die Situation für die Straßenbäume in Nürnberg zu verbessern.
In Nürnberg gibt es zwischen 25 und 40 Kilometer Stadtstraßen ohne jedes Grün und Straßenbäume und fast 800 verwaiste Baumstandorte (Straßenbäume wurden gefällt und neue Bäume nicht mehr gepflanzt).
Die Zahl der Baumfällungen nimmt von Jahr zu Jahr zu:
2006 waren es 201 Straßenbäume, die gefällt wurden, 2007 220 Bäume und im Jahr 2008 434 Bäume. Allein im Januar und Februar dieses Jahres wurden schon 98 Bäume gefällt. Nicht annähernd so viele Bäume wurden nachgepflanzt – und das sind dann kleine Bäume, die mindestens 20 bis 30 Jahre brauchen, bis sie die Wirkung ihrer "Vorgänger" entfalten können.
Im Zuge der Erweiterung der U-Bahn werden weit mehr als hundert Bäume gefällt werden.
Wenn man die Berichterstattung über SÖR in der Presse in den ersten zwei Monaten dieses Jahres verfolgt, dann liest man eigentlich nur etwas über Baumfällungen.
Wir wissen, dass man bei SÖR an einem "Masterplan Straßenbäume" arbeitet und wir hoffen, dass dieser in eine mittel- bis langfristige Planung mündet, um die eklatanten Defizite beim Bestand und der Pflege der Straßenbäume zu beheben.
"koopstadt Bremen, Leipzig, Nürnberg"
Unter diesem Titel ist die Stadt Nürnberg eine Stadtentwicklungs-Partnerschaft mit Bremen und Leipzig eingegangen.
Im Stadtrat wurde jüngst über dieses vom Bund geförderte Projekt berichtet.
Es geht dabei um einen Vergleich der Stadtentwicklung in diesen Städten, um einen Austausch von Ideen und um die Initiierung interessanter Projekte.
Die Bürger, die Wirtschaft, die Fachöffentlichkeit und die Politik sollen für die Stadtentwicklung begeistert und zum Mitmachen motiviert werden. Wir haben schon einmal angefangen und die Ausstattung der drei Städte mit Straßenbäumen miteinander verglichen:
Von der Einwohnerzahl her sind die drei Städte recht gut vergleichbar: Bremen hat 548.000 Einwohner, Leipzig 511.000 und Nürnberg 503.000.
Die Länge der Stadtstraßen beträgt in Bremen 1.373 km, in Leipzig 1.220 km und in Nürnberg rund 1.100 km. Und: in Bremen gibt es 68.000 Straßenbäume, in Leipzig 55.000 und in Nürnberg 25.000 !!
Bei allen spezifischen Besonderheiten der drei Städte und ihrer Entwicklung sollte dieses Ergebnis schon zu denken geben.
In Kennzahlen ausgedrückt lautet es: Einwohner pro Baum:
Bremen: 8,05
Leipzig: 9,29
Nürnberg:  20,12
Das heißt: In Nürnberg müssen sich rund 20 Einwohner einen Straßenbaum "teilen"; In Bremen und Leipzig sind es mit 8 bzw. 9 weniger als die Hälfte.
Oder: Durchschnittlicher Abstand der Bäume in den Straßen in Metern:
Bremen: 20,19 m
Leipzig: 22,18 m
Nürnberg:  44,00 m
Das heißt: In Bremen und Leipzig (das fällt auch dem Besucher sofort auf) sind Straßenbäume im Stadtbild optisch präsent. In Nürnberg fallen eher die Lücken auf.
Die Statistik zeigt auch: Nürnberg ist im Vergleich zu Bremen und Leipzig um 50 bis 60 % dichter besiedelt (Einwohner pro Quadratkilometer). Nicht zuletzt deshalb sollte mehr Grün in die Straßen, um das Wohnumfeld angenehmer zu gestalten und die Lebensqualität für die Bürger zu erhöhen.
Wir hoffen, dass die Stadt Nürnberg aus dem Städtevergleich auch in Bezug auf die Straßenbäume die richtigen Schlüsse zieht.
Unser Projekt "Baumpaten-PPP (public-private-partnership)"
Der "klassische" Baumpate in Nürnberg ist eine Privatperson, die sich bei der Stadt Nürnberg ohne große Formalien anmeldet und den Baum vor der Haustür pflegt, das heißt i. A. die Baumscheibe bepflanzt und pflegt und dem Baum in Zeiten großer Trockenheit auch Wasser gibt.
Die Arbeit, die diese Bürger leisten, erfordert großes Engagement, kostet Geld und Zeit. Nicht jeder Bürger, der sich für die Bäume in seiner Straße engagieren möchte, hat die Zeit und die Kraft, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Das gleiche gilt für Gewerbetreibende und Unternehmen in Nürnberg, die an einem intakten Umfeld und an unserem Gemeinwesen interessiert sind.
Auf diese Klientel zielt unser Konzept "Baumpaten-PPP". Und so soll es funktionieren: Interessierte Bürger, Geschäfte oder Unternehmen übernehmen die Patenschaft für einen oder mehrere Straßenbäume und übergeben die notwendigen Pflegearbeiten gegen Entgelt an einen Dritten.
Die Projektgruppe Straßenbäume hat für dieses Konzept die notwendigen Musterverträge und Leistungsverzeichnisse ausgearbeitet und als Partner für die Leistungserbringung die NOA (Noris-Arbeit GGmbH) gewonnen.
Die NOA ist eine gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft der Stadt Nürnberg. Sie bietet u. a. Arbeitsplätze für jugendliche und erwachsene ALG-II-Bezieher und bietet diesen unter fachlicher Anleitung eine Qualifizierung im Bereich Garten- und Landschaftsbau an. Damit erhält unser Konzept eine zusätzliche sinnvolle soziale Komponente. Als ersten Partner für unser Projekt haben wir die ING-DiBa, eine der größten Direktbanken in Deutschland mit einem Sitz in Nürnberg (ca. 800 Mitarbeiter) gewonnen. Die ING-DiBa hat im Oktober 2008 die Patenschaft für 20 Straßenbäume in Gostenhof und in der Südstadt für 5 Jahre übernommen. Die ING-DiBa wird dafür rund 40.000 Euro aufwenden.
Wir hoffen, dass dieses Projekt "Schule macht" und wir suchen weitere Interessenten.
Mathias Schmidt