Artikel im Mauersegler Nr. 1/2009 
  Der Zug war pünklich
 

Muddus Nationalpark

Der Zug kam pünktlich um 18.30 Uhr an der Station an. Der reisende stieg aus und kämpfte sich mit dem Rucksack gegen den Wind. Es waren 2° plus und der Wind wehte mit Geschwindigkeiten zwischen 19 und 39 m/sek. Es waren 2 Tage vor Weihnachten und ich wollte Weihnachten im Schnee und mit Nordlicht und Kälte genießen. Denn ich war in Abisko, 300 km nördlich des Polarkreises in Schwedisch-Lappland. Wir schrieben 2006.
Im Mai war ich schon hier oben und da hatten wir +22°. Laut dem samischen Kalender mit 8 Jahreszeiten müsste noch Schnee liegen. In den Früheren Jahren lag noch Schnee und das Wasser aus dem Brunnen war noch mit Eisbatzen versehen.
Diese warme Zeit ging bis in den September hinein. Als ich im August wieder im Muddus-Nationalpark war, wanderte ich das erstmal in kurzer Hose und T-Shirt durch den Muddus, der unter Insidern den Ruf des Mückenparadieses genießt. Aber es waren schlichtweg keine da. Sie brauchen zum Schlüpfen feuchtes Wetter. aber bei +22° vertrockneten die Larven. Gut für die Menschen , nicht gut für die Vögel. Der Klimawandel zeigt sich in der Arktis am leichtesten, wenn man wie ich seit 20 Jahren da oben Urlaub macht und die Augen offenhält und beobachtet. Z. B. sinkt der Grundwasserspiegel, treten Wärme liebende Insekten öfter auf (Wespen nördlich des Polarkreises, der Schnee im Frühjahr wird eher matschig, behindertdie Rentierwanderung ins Kalbungsgebiet (brauchen länger, keine Querungsmöglichkeiten über Flüsse oder Seen, zu dünnes Eis, Strassen müssen als Ersatzwege herhalten usw.). Im November 2006 taute der Schnee, der Boden blieb gefroren und der nächste Niederschlag kam als Regen (im November) und gefror zu einer dicken Kruste über die Rentierflechte. Auch Bartflechte, sonst im Winter Nahrung, war nicht fressbar.
Die Samen mussten mit Pellets füttern. der Preis ging in die Höhe und viele mussten Kredite aufnehmen oder Notschlachtungen vornehmen. Diese Zeit brachte einen Schaden von insgesamt 87,5 Mio. Schwedischen Kronen (8,75 Mio. Euro).
Aber die Samen sind nicht als einzige betroffen. Alle Ureinwohner der Arktis (ca. 600.000–700 000 Menschen), darunter Inuit, Indianer, Alëuten, sibirische Völker an der Eismeerküste, alle leiden unter dem Klimawandel.
Aber was bedeuten die Ureinwohner der Arktis und ihre Natur (Barentssee, Boreale Wälder ,Eiswüsten und Moore) mit 150 Fischarten, rund 14 Mio. Seevögeln, 55.000 Walen, 1,3 Mio. Robben und 2.000 Eisbären auf Spitzbergen gegen vermutete Ölvorräte vom Shtokmanfeld (Nowaja Semla, Karasee) in Höhe von 31 Mio. t Erdgaskondensat und mehr als 4 Trillionen Kubikmeter Erdgas ist. Oder wenn Norwegen im Goliathfeld (35 km südlich des "Schneewittchenprojekts ") rund 250 Mio. Barrel Erdöl = 40.000 Mio. Liter fördern will, und es liegen noch mehr Bodenschätze unter dem Eis der Arktischen Gewässer. Wir heizen es auf.
Bildunterschrift: Eichhörnchen Rentier  Fotos: Dietmar Hasse
Bildunterschrift: Sonnenuntergang  Foto: Dietmar Hasse
Dietmar Hasse (Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.)