Artikel im Mauersegler Nr. 1/2009 
  Bayerns Schönheit bewahren!
 

Möbel-Höffner – in Ronhof, bei Steinach oder auf der Hardhöhe? Der Bund Naturschutz fordert Berücksichtigung aktueller Entwicklungen bei den laufenden Planungen! Das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans für das Einzelhandelsgroßprojekt von Möbel-Höffner bei Steinach im Knoblauchsland ist zwar kurz vor Weihnachten in eine neue Runde gegangen. Der Bund Naturschutz (BN) warnt jedoch davor, diese Planung jetzt auf der Grundlage veralteter Erkenntnisse weiterzuführen.
Der BN lehnt die Ansiedlung des geplanten Einkaufszentrums aus Gründen fehlenden Bedarfes, der Schädigung des innerstädtischen Handels und damit der "Stadt der kurzen Wege", der mit dem zusätzlichen Kfz-Verkehr und der Zerstörung fruchtbarer Böden verbundenen Klimaschädlichkeit und der weiteren Zerstörung des Knoblauchslandes als "Garten der drei Städte" weiterhin entschieden ab. Der dafür erforderliche Bebauungsplan basiert auf der landesplanerischen Beurteilung der Regierung von Mittelfranken vom 12.12.2003. Aufgrund der zwischenzeitlichen Änderung fundamentaler Rahmenbedingungen sind dessen Ergebnisse nach Auffassung des Bundes Naturschutz jedoch mittlerweile überholt und können nicht mehr als Grundlage für die Weiterführung des laufenden Bebauungsplan-Verfahrens dienen.
Im Einzelnen handelt es sich um folgende geänderte Rahmenbedingungen: Städtebauliche Integration/ Nachweis fehlender Alternativstandorte gemäß des bayerischen Landesentwicklungsprogramms (Ziel LEP B II  1.2.1.2) soll die Ausweisung von Einzelhandelsgroßprojekten in städtebaulich integrierter Lage erfolgen. Dies bedeutet, dass ein solches Vorhaben nur in oder am Rand von vorhandenen Stadtteilen liegen soll, die bereits einen bedeutenden "Versorgungs- und Siedlungskern" im Ortsgefüge darstellen.
Demnach ist es ein wesentliches Kennzeichen der städtebaulichen Integration eines Standortes, dass neben einer entsprechenden Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hier auch ein bedeutender Einzugsbereich besteht, aus dem das Einzelhandelszentrum zu Fuß erreicht werden kann. Weiterhin heißt es im bayerischen Landesentwicklungsprogramm: "Vom Erfordernis der städtebaulich integrierten Lage kann in städtebaulichen Randlagen bei Einzelhandelsgroßprojekten, die nicht dem Verkauf von Waren des kurzfristigen, täglichen Bedarfs dienen, ausnahmsweise abgesehen werden, wenn die Gemeinde den Nachweis des Fehlens geeigneter städtebaulich integrierter Standorte erbringt." Die Regierung von Mittelfranken war in der landesplanerischen Beurteilung damals der Auffassung der Stadt Fürth gefolgt. Demnach wäre auf ihrem Stadtgebiet kein geeigneter städtebaulich integrierter Alternativstandort für das Vorhaben der Krieger Grundstück GmbH in der beabsichtigten Art und Größenordnung zur Verfügung gestanden. Diese Situation hat sich jedoch mittlerweile grundlegend geändert!
Mit Datum vom 19.12.2008 haben die Fürther Nachrichten über den Rückkauf einer ca. 15 Hektar großen gewerblichen Baufläche unmittelbar westlich des Stadtteils Hardhöhe durch die Stadt Fürth berichtet (siehe hierzu: Grundstückskauf: Fürth profitiert von der Krise). Diese Fläche würde einen geeigneten Alternativstandort für das Vorhaben der von Möbel-Höffner in der beabsichtigten Art und Größenordnung darstellen. Der Standort ist auch für den Straßenverkehr bereits gut erschlossen. Diese Fläche liegt nicht nur im Einzugsbereich der U-Bahn-Haltestelle Hardhöhe, sondern könnte auch aus großen Teilen des bevölkerungsreichen Stadtteils Hardhöhe zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden. Demgegenüber wäre das Einzelhandelsgroßprojekt am Standort Steinach nur von den ca. 50 Einwohnern dieses Dorfs "fußläufig" erreichbar. Dadurch, dass diese Fläche an der Hardhöhe nunmehr wieder der Stadt Fürth gehört, ist von einer weitgehenden Verfügbarkeit des Areals für ein derartiges Vorhaben auszugehen. Insofern muss nach Auffassung des Bundes Naturschutz die nach dem Landesentwicklungsprogramm vorgeschriebene Alternativenprüfung auf der Grundlage der aktuellen Situation neu ausgearbeitet werden. Dabei muss auch das Verbleiben von Möbel-Höffner an der Autobahnausfahrt Ronhof als eine mögliche Variante mit berücksichtigt werden.
Schließlich ist die Verkaufsfläche dort bisher schon größer als bei IKEA. Denn grundsätzlich ist der Bund Naturschutz nach wie vor der Auffassung, dass der bestehende Standort von Möbel-Höffner (nach der Übernahme von Franken-Wohnland) einen flächenfressenden Neubau längst überflüssig gemacht hat.
Werner Wagner (Ortsgruppe Knoblauchsland)