Artikel im Mauersegler Nr. 1/2009 
  Editorial
 

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der Natur,

unter Federführung des BN konnten wir am 2. April 2009 mit großer Beteiligung vieler Bündnispartner Nürnberg zur gentechnikanbaufreien Zone erklären. Viele hatten Anteil an diesem großen Erfolg. Ich danke André Winkel und dem BN-Büro, den Gastgebern – der Familie Drechsler –, dem Arbeitskreis Gentechnik unter der Leitung von Iris Torres-Berger, OB Dr. Maly und Umweltreferent Dr. Pluschke, stellvertretend für die Stadt Nürnberg, der Agenda 21, Umweltminister Dr. Söder, vielen Verbänden und Parteien – die einen als Aktivisten von Anfang an dabei, die anderen nach reiflicher Überlegung. Besonders freue ich mich über die Meinungsänderung der CSU. Herzlichen Dank auch dem Bauernverband und dem Gemüseerzeugerverband Knoblauchsland, dessen Chef, Michael Brückner, nach intensiven Diskussionen inzwischen klar Stellung bezieht.
Mein herzlicher Dank gilt ebenfallsdem Biobauern Günter Sippel. Genau genommen gibt es schon eine gentechnikanbaufreie Zone in Nürnberg: Schon 2005 hat der Bund Naturschutz mit Herrn Sippel auf dessen Feldern Fakten geschaffen.
Was nun wollen wir mit unserem Bündnis und einer gentechnikanbaufreie Zone erreichen?
Einmal wollen wir den Bauern helfen, die auch weiterhin ohne Gentechnik produzieren wollen. Das geht nur, wenn das Ackerland großflächig rein gehalten wird. Pollen kennen keine Grenzen! Deshalb müssen solche Regionen überall wachsen.
Dazu bedarf es mutiger Politiker und aufgeklärter Verbraucher. Den Politikern, und hier insbesondere der CSU, rufe ich zu: Lasst Worten Taten folgen! Setzt euch im Bundesrat und als Landwirtschaftsministerin für entsprechende Verbote ein, nehmt euch europaweit ein Beispiel an Österreich, Ungarn und Frankreich, die die Gentechnik auf den Äckern geächtet haben. Lasst keine Patente auf Leben zu! Und riskiert auch mal einen Konflikt mit dem großen Bruder aus den USA, auch wenn er Obama heißt. Wir wollen nach verseuchten Finanztiteln nicht auch noch verseuchte Nahrungsmittel importieren!
Das wollen auch vier Fünftel aller Verbraucher. Unser Bündnis will ihnen helfen, bewusst gentechnikfrei und regional einzukaufen und auch bewusst zu wählen. Wir wollen sie mit guten Argumenten wappnen und sie aufklären. Sie sollen die wahren Profiteure und deren gerissene Manöver erkennen können. Ich nenne hier deutlich Firmen wie Monsanto, Syngenta und Bayer. Welche Partei deren Interessen vertritt, lässt sich deutlich an deren Fehlen auf unserem Flugblatt ablesen. Ich denke mit Entsetzen an die Stadtratssitzung zurück, auf der die Stadt Nürnberg den Beitritt zum Bündnis beschlossen hat. Die FDP als Partei des Eigentums und der großen Freiheit forderte die Wahlfreiheit des Verbrauchers im Supermarkt zwischen Genfood und genfreier Nahrung. War das ein Witz oder gewitzte Strategie?
Wir wissen: Agrogentechnik verunreinigt das Saatgut der Nachbarfelder. Sie ist folglich ein Angriff auf das Eigentum und die Freiheit des Anderen!
Wir wissen: Agrogentechnik macht Bauern von Großkonzernen abhängig. Sie führt zur Leibeigenschaft der Bauern. Ich freue mich, dass der Nürnberger Bauernverband gemeinsam mit uns dagegen kämpft.
Es geht um nicht weniger als die Zukunft unseres Lebens!
Umso verwunderlicher ist es da, dass der Hüter des Lebens, selbst des ungeborenen oder noch gar nicht gezeugten, unser Papst Benedikt, es zulässt, dass sich im Vatikan die Lobbyisten der Wirtschaftsmafia zu einem Symposion einfinden, um die Gentechnik als Heilsbringer gegen den Welthunger zu präsentieren. Das ist wohl deren letztes Argument. Es passt dem Papst ins Konzept, die drohende Überbevölkerung der Welt zu leugnen. Aber wir werden die Lügen der Genlobby nicht dulden!
Gegen den Hunger helfen keine gentechnisch veränderten Pflanzen, die arme Bauern gar nicht bezahlen können. Ganze Länder würden in noch tiefere Abhängigkeit getrieben. Gegen den Hunger helfen nur natürliche Vielfalt und angepasste Weiterzüchtung. Ich hoffe, dass die bayerischen Katholiken, die sich schon klar gegen die Agrogentechnik ausgesprochen haben, den bayerischen Papst noch überzeugen können. Der BN hat dem Heiligen Vater schon geschrieben.
Es gibt also noch viel zu tun. Wir müssen wachsam bleiben und die Parteien vor der Europawahl und der Bundestagswahl zu klaren Bekenntnissen zwingen!
Günther Raß
1. Vorsitzender