Artikel im Mauersegler Nr. 1/2008 
  Projektgruppe Straßenbäume
 

Lobbyisten für Nürnbergs Straßenbäume

Mit Ausdauer und Optimismus setzt sich die Projektgruppe Straßenbäume nun schon seit 15 Jahren für mehr Straßenbäume ein. Das Engagement hat sich gelohnt: Es stellen sich mittlerweile erste Erfolge ein.
"Am Anfang war es nur so ein Gefühl, dass es in Nürnberg weniger Straßenbäume gibt als in anderen deutschen Großstädten", so Mathias Schmidt über die Entstehungsphase der Projektgruppe. Den Gründungsmitgliedern, zu denen die langjährige Vorsitzende des BN-Nürnberg Therese Mayerle gehörte, war jedoch sehr schnell klar, dass man sich bei diesem heiklen Thema nicht nur auf vage Gefühle verlassen kann. Zu erst verschaffte man sich einen Überblick über den Status quo. Demnach gab es laut Gartenbauamt zu Beginn der 1990er Jahre ca. 23.000 Straßenbäume. Diese anscheinend so imposante Zahl wurde bei genauere Analyse allerdings schnell relativiert. Auf etlichen der Standorte existierten gar keine Bäume mehr. Sie waren aus Altersgründen oder aufgrund der städtischen Sicherungspflicht gefällt worden und wurden nicht mehr nachgepflanzt. Das wenig überraschende Ergebnis dieser restriktiven städtischen Gestaltungspolitik: bei einem Vergleich mit zehn anderen deutschen Großstädten, belegte Nürnberg in Punkto Straßenbäume weit abgeschlagen den letzten Platz. Selbst das von Schwerindustrie geprägte Gelsenkirchen weist mehr Straßenbäume auf als die Frankenmetropole an der Pegnitz.
Verwaister Baumstandort
Verwaister Baumstandort
Um diesen unbefriedigenden Trend entgegenzuwirken war es allen Beteiligten der Projektgruppe klar, dass es nur durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit zu einem Umdenken bei den verantwortlichen Stellen in Behörden und Politik kommen konnte.
Die Hauptforderungen waren und sind:
Die Sicherung und Bestandsaufnahme des aktuellen Baumbestandes und eine vorausschauende Planung.
Eine effiziente Pflege der Straßenbäume, die vor allem auch die Pflege der Baumscheiben mit einbezieht und sich nicht darin erschöpft, einzig der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen.
Reaktivierung von verwaisten Baumstandorten. Durch das 100-Bäume-Programm (pro Jahr) sollen Stück für Stück die mittlerweile 800 nicht mehr bepflanzten Standorte wieder genutzt werden.
Grüne Oase
Grüne Oase in nur wenigen Jahren  Fotos: M. Schmidt
Aber auch die Nürnberger Bevölkerung wird in diesen Prozess mit einbezogen. "Wir suchen das direkte Gespräch mit den Anwohnern und versuchen die Anwohner für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. Oft hören wir dann: Straßenbäume schön und gut, aber vor der eigenen Haustür ist mir ein Parkplatz für mein Auto wichtiger" so berichtet Dagmar Schmid von ihren anfänglichen Erfahrungen, wenn es darum ging in den dichtbebauten Quartieren der Innenstadt für mehr Bäume zu werben. Die intensive Basisarbeit hat mittlerweile dazu beigetragen, dass immer häufiger in Nürnberg bunt bepflanzte Baumscheiben zu sehen sind, die mit ihrer phantasievollen Bepflanzung das Straßenbild beleben. Neben den parkenden und fahrenden Blechlawinen wirken diese kleinen Biotope wie Oasen in einer steinernen Wüste. Interessierte Bürger übernehmen hier die Pflege und die Gestaltung einer Baumscheibe. Bei der Patenschaft für mindestens ein Jahr erhalten sie von der Stadt einmalig einen Pflanzengutschein im Wert von 50 Euro. Auch hier zeigte sich die Projektgruppe erfinderisch. Die von Gruppenmitglied Oliver Schneider erstellter Broschüre "Baumpate gesucht" leistet praktische Hilfe bei der Auswahl der Pflanzen und erleichtert es dem engagierten Laien standortgerechte Arten zu pflanzen, die sich zu dem durch eine gewisse Robustheit auszeichnen.
Mittlerweile gibt es in Nürnberg mehr als 600 solcher offiziellen Paten von Straßenbäumen. Die erfolgreiche Konzeption soll nun erweitert werden. Unter dem Motto Baumpaten-PPP (public-private-partnership) kann möglicherweise in Zukunft die Arbeit im Auftrag von Baumpaten und in Abstimmung mit der Stadt von Dritten fachmännisch gegen Entgelt gestaltet und gepflegt werden. Die Lobbyarbeit für Straßenbäume zeigt Wirkung. Die Stadt Nürnberg gibt in diesem Jahr 30.000 Euro mehr für Baumpflege aus und auch bei der Neupflanzung ist der Etat um 100.000 Euro aufgestockt worden. Von der positiven Entwicklung lässt sich jedoch niemand in der Gruppe dazu verleiten, sich auf dem Erreichten auszuruhen. "Nürnberg braucht nach wie vor mehr Straßenbäume. Straßenbäume brauchen weiterhin eine Lobby.
Prima Klima mit Straßenbäumen
Ein ausgewachsener Straßenbaum nimmt pro Jahr 350 kg Kohlendioxid auf und leistet somit ein nicht zu unterschätzenden Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.
Sein Verdunstungshaushalt wirkt sich auf die Temperatur seiner Umgebung aus. An heißen Sommertagen kann die Verdunstung die Temperatur der Luft bis zu 8 Grad Celsius senken.
Bäume verringern den Staubanteil in der Luft. Ihre Kronen verringern die Windgeschwindigkeit, wodurch erheblich weniger Staub aufgewirbelt wird. Baumbestandene Straßen haben deshalb bis zu 30 % weniger Staub in der Luft.
Ansprechpartner:
Mathias Schmidt, Tel.: (0911) 45 76 06
E-Mail: MundMNuernberg@aol.com
Oliver Schneider, Tel.: (0911) 462 24 97
E-Mail: Oliver_W_Schneider@gmx.de
Weitere Informationen finden Sie hier.
André Winkel, Dipl.-Ing. (FH), M.A.
(Mitglied Arbeitskreis Mauersegler-Redaktion)
  Wir helfen Nürnbergs Straßenbäumen und brauchen dazu Unterstützung!  
Die Projektgruppe "Straßenbäume" fordert z. B. mehr Baumpflanzungen, sucht Paten zur Pflege der Baumscheiden und wirft ein kritisches Auge auf Baumfällungen.
Wir freuen uns über jede(n) "Mitkämpfer(in)"
Info: (0911) 45 76 06
Mathias Schmidt
MundMNuernberg@aol.com
Oliver Schneider
Oliver_W_Schneider@gmx.de