Artikel im Mauersegler Nr. 1/2008 
  Editorial
 

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der Natur,

alle 6 Jahre wieder naht die aufregende Zeit der Stadtratswahl. Kein anderes politisches Gremium übt direkteren Einfluss auf unsere Lebensbedingungen aus, kein anderes können wir durch geschicktes Häufeln und Panaschieren, also Springen von Liste zu Liste, genauer nach unseren Wünschen zusammenstellen. Um uns allen Klarheit zu verschaffen, haben wir wieder in Wahlprüfsteinen um präzise Antworten auf Natur- und Umweltfragen gebeten. Darüber hinaus konnten uns die Umweltsprecher der Parteien ihre Schwerpunkte nennen. Einige persönliche Fragen an die OB-Kandidaten runden das Bild ab. Für deren offene und ehrliche Antworten sei an dieser Stelle gedankt! Allerdings ist es nicht einfach, die Unterschiede klar zu erkennen.
Zu unserer Freude haben uns – und die Natur – alle lieb. Im Prinzip jedenfalls, wenn nicht andere Interessen dagegen stehen. In einigen Zwischentönen und Bemerkungen, die wir in voller Länge im Internet veröffentlicht haben, wird etwa ein Natur zerstörender Straßenbau als Menschenschutz verkauft, beim Thema Gentechnik vor der Agrar-Lobby kapituliert oder bei der Stadtplanung zu wenig Handlungsspielraum beklagt. Da wünschen wir uns doch von einigen Kandidaten mehr Mut! Viele Erfolge der Umweltbewegung sind von unten her gewachsen. Folglich muss eine umweltbewusste Stadt deutliche Zeichen setzen, um die große Politik zu bewegen.
In den meisten Gesprächen mit Politikern konnte ich diese als aufgeschlossen und der Natur zugetan erleben. Doch viele Einflüsterer und Lobbyisten zerren an ihnen. Möge der BN als Lobby für Natur- und Umweltschutz weiter Gehör finden und mögen den schönen Worten Taten folgen!
Aus unserem ausführlichen Fragenkatalog greife ich zwei Themen heraus, die auch in diesem Jahr Schwerpunkte unserer Kreisgruppe sind: die Gentechnik und die Nordanbindung des Flughafens. Erfreulicherweise will kein OB-Kandidat gentechnisch verändertes Essen auf dem Tisch. Alle Parteien würden eine gentechnikfreie Region Nürnberg unterstützen. Na dann! Wenn bloß der Bauernverband nicht wäre! Da hoffe ich doch auf Unterstützung der von den Bauern bevorzugten Partei. Und alle Kandidaten könnten die Bundestagsabgeordneten ihrer Parteien von der Notwendigkeit eines stärkeren gesetzlichen Schutzes vor unerwünschter Gentechnik überzeugen. Wir werden nachhaken.
Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Nordspange zum Flughafen. Die großen Parteien geben sich – noch – als starre Befürworter einer Zerstörung des Reichswaldes. Da waren unsere Altvorderen klüger: In weiser Voraussicht ließen sie 1368 – erstmals in der Welt – planmäßig Wald ansäen und schützten diesen Jahrhunderte lang nachhaltig. Ganz Deutschland beneidet uns als einzige Großstadt mit einem intaktem Waldgürtel. Eine persönliche Anmerkung sei erlaubt: Als wir um das Café Wanner im Volkspark Dutzendteich kämpften, sagte ich, sein Retter werde in die Geschichte Nürnbergs eingehen. Der amtierende OB griff beherzt zu. Möge der künftige OB – wie immer er heißt – als Bewahrer des einzigartigen Reichswaldes in die Geschichtsbücher Nürnbergs Einzug halten!
Eine Bitte zum Schluss: Fühlen Sie den Kandidaten auf den Zahn, und vor allem: Gehen Sie wählen!
Günther Raß
1. Vorsitzender