Artikel im Mauersegler Nr. 1/2008 
  Honigbiene und Ökologie
 

Die Honigbiene gibt es nachweislich seit mehr als 60 Millionen Jahren. In dieser langen Zeit haben sich Blütenpflanzen und Honigbiene aufeinander eingestellt, so dass keiner ohne den anderen überleben könnte.
Die Pflanze lockt mit duftendem Nektar die Honigbiene an. Während die Honigbiene versucht, den süßen Nektar zu saugen, gibt die Pflanze diesem Insekt ihren Blütenstaub an ganz typischen Stellen mit. Die eine Pflanze klatscht ihre Staubgefäße auf den Rücken der Biene, wie es der Wiesensalbei macht, eine andere "spritzt" ihr den Blütenstaub in die Augen, wieder andere reiben ihn auf die Bauchseite der Biene. Da die Biene "blütenstet" ist – die Bienen eines Bienenvolkes befliegen z. B. an einem Tag nur die Apfelblüten in der Umgebung – wird der Blütenstaub zu einer älteren Blüte an einem anderen Baum getragen. Dort ist der Griffel reif, der von der speziellen Stelle der Biene den Blütenstaub wieder abnimmt, beim Wiesensalbei z. B. vom Rücken.
Dieses Weitertragen des Blütenstaubes ist die eigentliche zentrale ökologische Bedeutung der Honigbiene. Mehr als 80 % aller Blütenpflanzen haben sich auf diesen Vorgang eingestellt und sind damit auf den "Transporteur" Honigbiene angewiesen.
Diese Aufgabe ist von anderen Insekten in dieser Größenordnung nicht zu übernehmen. Dafür hat die Evolution gesorgt.
Was passiert mit den Bienen im Winter?
Die Honigbiene überwintert in ihrer "Bienenwohnung" in einer "Traube", wie sie die Imker nennen, vergleichbar mit einer Herde von Tieren, die sich ganz eng zusammenstellen. In dieser Traube haben die Bienen auch bei stärkstem Frost etwa 25 °C. Sie sind im Winter also lebendig, anders als nahezu alle anderen Insekten. Bereits Anfang Februar beginnt die Bienenkönigin in dieser Traube mit der Eiablage, also lange vor den ersten Frühlingsblüten. Doch wenn sie im März und April erblühen, stehen diesen Millionen Blüten bereits tausende von neuen Bienen als Transporteur des Blütenstaubes zur Verfügung. Die Biene ist also der Natur um mehrere Wochen voraus. Anders die meisten anderen Insekten, die, als Einzeltiere überwinternd, sich erst mit der Natur entwickeln.
Ein Einführungskurs in die Imkerei als Hobby findet am 27. April 2008 am Lehrbienenstand des Zeidlervereins statt. Weitere Termine werden bei Bedarf mit den Teilnehmern abgesprochen. Eine Voranmeldung ist beim Vorsitzenden Herr Mages unter (0911) 83 08 62 oder über die Homepage des Zeidlervereins erwünscht.
Wer sich begeistern lassen will vom "Phänomen Honigbiene", dem ist das gleichnamige Buch von Prof. Jürgen Tautz und Bildern von Helga R. Heilmann, Elsevier, GmbH, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg empfohlen.
Bildunterschrift: Bienenstand im Winter  Foto: F. Mages
Franz Mages (Vorsitzender des Zeidlervereins für Nürnberg und Umgegend Nürnberg e.V.)