Artikel im Mauersegler Nr. 1/2007 
  BN-Informiert
 

Alternativen zum klimaschädlichen Flugverkehr

Zu Beginn der Urlaubssaison werden wir wieder mit Lockvogelangeboten der Billigfluggesellschaften in Versuchung geführt. Für 19 Euro nach London, Madrid oder Mallorca – wer kann da noch widerstehen? Dabei ist Fliegen die umweltschädlichste Fortbewegungsart: Ein Flug nach Teneriffa und zurück ist so klimaschädlich wie ein Jahr Autofahren. Außer Kohlendioxid werden die ebenfalls klimaschädlichen Stoffe Stickoxide, Wasserdampf und Rußpartikel in die besonders sensiblen Schichten der Atmosphäre, Troposphäre und Stratosphäre, ausgestoßen.
Die Abgase sind in diesen Flughöhen etwa dreimal so klimaschädlich wie vergleichbare Emissionen am Boden. Die überlebenswichtige Ozonschicht wird dadurch geschädigt. Der Anteil des Flugverkehrs am Treibhauseffekt liegt nach aktuellen Schätzungen bei zehn Prozent. Bis 2020 wird eine Verdoppelung dieses Anteils prognostiziert. Trotzdem wird der Klimakiller Flugverkehr durch die Mehrwertsteuerbefreiung für grenzüberschreitende Flüge sowie die Kerosinsteuerbefreiung staatlich subventioniert. Auf diese Weise entgehen dem Bund pro Jahr über drei Milliarden Euro an Steuern. Die Fluggesellschaften, v. a. die Billig-Airlines, profitieren davon und die umweltfreundliche Bahn wird dadurch massiv im Wettbewerb benachteiligt. Mit 65 ct Steuerbelastung je Liter Kerosin würden sich die Kosten eines Hin- und Rückfluges von München nach Hamburg um 39 Euro erhöhen und die aktuellen Dumpingpreise wären nicht mehr möglich.
Zu den klimatischen Auswirkungen des Fliegens kommen noch der Flächenverbrauch (z. B. die noch immer drohende Nordanbindung durch den Nürnberger Reichswald oder die 3. Startbahn am Flughafen München) sowie die Lärmbelastung (30 Prozent der bayerischen Haushalte leiden unter Fluglärm!).
Ungefähr die Hälfte aller Flüge ist kürzer als 500 km und könnte problemlos auf die Schiene verlagert werden.
Die Forderungen des BN lauten daher:
Umstieg auf die Schiene bei Kurzstrecken
Subventionsstopp
Mineralölsteuer für Kerosin
Nachtflugverbot von 22.00 bis 7.00 Uhr
Keine Flughafenerweiterungen und keine weiteren Regionalflughäfen
Für den Einzelnen heißt das: Das Reiseziel kritisch auswählen, Urlaubsalternativen in Bayern, Deutschland und Europa prüfen. Hier bietet sich die Zuganreise (evtl. kombiniert mit Fähren) an – Stichwort "sanfter Tourismus". Bei Geschäftsreisen sind Telefon- oder Videokonferenzen oft eine Alternative. Als Verbraucher sollte man auf regionale Produkte zurückgreifen, um den Luftfrachtverkehr zu reduzieren.
Weitere Links zu diesem Thema:
www.atmosfair.de
www.service.bund-naturschutz.de
www.forumandersreisen.de
www.vertraeglich-reisen.de
www.fairkehr.de
www.nachtzugreise.de
www.renatour.de
Gerhard Hösl (Arbeitskreis Verkehr)